Action Painting – Basiswissen und Tipps zum Ausprobieren

Action Painting – Basiswissen und Tipps zum Ausprobieren

Action Painting ist eine moderne Form von Kunst, die das Kreative, einen experimentellen Umgang mit Farbe und die Freude an Bewegung miteinander verknüpft. In diesem Beitrag vermitteln wir etwas Basiswissen rund ums Action Painting und geben Tipps zum Ausprobieren!

Action Painting - Basiswissen und Tipps zum Ausprobieren

Was ist Action Painting?

Viele nehmen das Action Painting als einen spontanen und eher spielerischen Umgang mit Farbe wahr. Sie empfinden die Bilder als abstrakte Farbspielereien, die aus einer Laune heraus entstanden sind.

Das ist zwar nicht ganz falsch, aber eben auch nicht ganz richtig. Denn das Action Painting ist eine eigenständige und ernstzunehmende Kunstform. Sie ist in den USA in den 1950er- und 60er-Jahren entstanden und steht in engem Zusammenhang mit anderen Formen der Aktionskunst.

Beim Action Painting wird nicht im klassischen Sinne gemalt. Stattdessen wird die Farbe aus der Bewegung heraus auf den Untergrund aufgebracht, indem sie zum Beispiel getropft, gespritzt oder geschleudert wird. Obwohl der Künstler eine ungefähre Idee hat, nähert er sich der Leinwand nicht mit einer klaren Vorstellung.

Wie das Bild am Ende aussieht, wird vielmehr stark durch den Zufall beeinflusst. Dieses intuitive Malen, das immer auch von den Emotionen und der Stimmung des Künstlers im aktuellen Moment geprägt ist, ist ein besonderes Merkmal vom und beim Action Painting.

Das Einlassen auf die Gefühle und das Spiel mit der Farbe aus der Bewegung heraus können mitunter fast meditative Züge annehmen. Im Ergebnis entstehen Arbeiten, die nicht nur aus künstlerischer Sicht interessant sind.

Auch das Malen selbst wirkt beruhigend, befreiend und stärkt die Psyche. Aus diesem Grund wird das Action Painting gerne in der Kunsttherapie angewendet.

Kein simpler Bruch mit künstlerischen Traditionen

Auf den ersten Blick scheint es so, als würde das Action Painting mit den traditionellen Kunstformen und Maltechniken brechen. In Wahrheit entwickelt das Action Painting aber die Stilrichtungen, die die Kunst des 20. Jahrhunderts prägen, konsequent weiter.

Zuvor konzentrierten sich die Künstler vorrangig darauf, ihre Umwelt möglichst realistisch abzubilden. Im Unterschied dazu waren die Künstler der vergangenen 100 Jahre eher darauf bedacht, ihre Gefühle festzuhalten oder das bildlich darzustellen, was sich kaum in gegenständlichen Motiven ausdrücken lässt.

In diesem Sinne ist das Action Painting eine Weiterentwicklung von Kunstrichtungen wie dem Impressionismus, dem Expressionismus oder dem Kubismus. Die meisten Künstler des Genres werden dementsprechend auch dem abstrakten Expressionismus zugeordnet.

Prominente Vertreter

Bei jeder Kunstrichtung gibt es prominente Vertreter. Das ist beim Action Painting nicht anders. Allerdings haben sich die meisten bekannten Künstler nur vorübergehend mit dem Action Painting befasst und sich ansonsten auch oder wieder anderen Richtungen gewidmet.

Der bekannteste Künstler, der gleichzeitig als Vorreiter des Action Paintings gilt, war Jackson Pollock. Der US-Amerikaner verstarb zwar im Alter von gerade einmal 44 Jahren, prägte mit seinen Arbeiten viele moderne Kunstrichtungen und die zeitgenössische Kunst aber maßgeblich.

Pollock breitete Leinwände auf dem Fußboden aus und experimentierte mit den verschiedensten Methoden, um Farbe auf die Leinwände zu bringen. So ließ er die Farbe zum Beispiel mithilfe von Pinseln auf den Malgrund tropfen oder verspritzte sie mit Stöcken.

Dabei verwendete er meistens selbst gemischte Farben auf Basis von Kunstharz, die flüssig genug waren, um verlaufen zu können. Außerdem arbeitete Pollock hauptsächlich in großen Formaten. Die großen Flächen unterstützten die spätere Bildwirkung deutlich.

Weitere Künstler, die zumindest zeitweise Action Painting betrieben, waren unter anderem Franz Kline, Sam Francis, Max Ernst, Kazuo Shiraga, Helen Frankenthaler und Alfons Schilling. Mitunter verleitete die Malweise die Künstler auch zu wahren Experimenten und außergewöhnlichen Materialien. Der Österreicher Josef Trattner etwa verwendete Wein als Farbe.

Action Painting – Tipps zum Ausprobieren

Die bewegte Kunst eignet sich hervorragend für eigene Versuche. Das gilt für Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Tatsächlich sind Kinder sogar oft noch offener, weil sie weit weniger Bedenken haben, sich auf das Experiment einzulassen und die Farbe buchstäblich fließen und fliegen zu lassen.

Regeln oder Vorgaben im klassischen Sinne gibt es beim Action Painting nicht. Erlaubt ist, was Spaß macht und gefällt. Sich einfach treiben zu lassen, herumzuprobieren und zu beobachten, was am Ende herauskommt, gehört zu den wesentlichen Ideen dieser Kunstform.

Trotzdem gibt es zwei Grundtechniken. Wer sich das erste Mal mit Action Painting befasst, kann damit anfangen, um sich an die Kunstform heranzutasten. Die eine Basistechnik ist das sogenannte Dripping.

Beim Dripping wird ein Pinsel in Farbe getaucht und dann so über den Malgrund gehalten, dass die Farbe heruntertropft. Die andere Grundtechnik ist das Spritzen. Dafür wird Farbe mit einem Pinsel oder einem Stock aufgenommen und in einer schleudernden Bewegung auf den Malgrund gespritzt.

Die Materialien fürs Action Painting

Die Grundausstattung, die für die bewegte Kunst zur Hand sein sollte, ist ziemlich überschaubar.

Benötigt werden nämlich:

  • Malgrund: Als Träger für das Bild kommen neben einer Leinwand auch Papier, Karton, simple Leintücher und ähnliche Untergründe infrage. Allerdings sollte der Malgrund recht groß sein. Ist der Malgrund zu klein, ist es schwierig, die Technik frei umzusetzen.

  • Farben: Acrylfarben sind sehr gut geeignet, denn sie trocknen schnell, leuchten kräftig und stellen keine großen Anforderungen an den Malgrund. Damit die Farben schön fließen und gut ineinander verlaufen, sollten sie etwas verdünnt werden.

  • Pinsel, Stöcke, Äste und ähnliche Malwerkzeuge, mit denen die Farbe auf den Malgrund getropft oder gespritzt werden kann

Beim Malen kann der Hobby-Künstler ähnlich wie Pollock vorgehen und seinen Malgrund auf dem Fußboden ausbreiten. Je nach Technik kann er den Malgrund aber natürlich auch aufstellen. Anschließend nimmt er Farbe auf und bringt sie in einer Bewegung seiner Wahl auf den Malgrund.

Dabei ist am besten, sich spontan treiben zu lassen. Der Hobby-Künstler wird feststellen, dass er immer lockerer wird. Gleichzeitig wird das fertige Bild etwas von der Stimmung widerspiegeln, in der der Hobby-Künstler gerade war.

Ein paar Ideen für weitere Techniken

Möchte der Hobby-Künstler noch tiefer in die Welt des Action Paintings eintauchen, kann er die Grundtechniken um einige Abwandlungen erweitern. Eine Möglichkeit dabei ist, das Dripping statt mit dem Pinsel mit leeren Dosen umzusetzen.

Dafür reinigt der Hobby-Künstler leere Konservendosen oder andere Behälter und bohrt ein oder mehrere Löcher in den Boden. Anschließend füllt er etwas Farbe in eine Dose und lässt die Farbe durch das Loch auf den Malgrund tropfen.

Um die Farbe aufzuspritzen, kann sich der Hobby-Künstler Einwegspritzen in der Apotheke besorgen. Damit zieht er die Farben auf und spritzt sie anschließend auf den Malgrund.

Eine weitere beliebte Technik beim Action Painting ist, Farbe auf die Leinwand zu schleudern. Dazu kann der Hobby-Künstler einen Schwamm in Farbe tauchen und gegen den Malgrund werfen. Oder er füllt kleine Luftballons mit Farbe und lässt diese, ähnlich wie Wasserbomben, auf dem Malgrund platzen.

Daneben kann der Hobby-Künstler verschiedenste, in Farbe getränkte Gegenstände über seine Leinwand ziehen. Bei den Gegenständen kann es sich zum Beispiel um Äste, Blätter, Folien, Stoffstücke, Kämme oder Gabeln handeln. Tolle Effekte entstehen natürlich auch dann, wenn der Hobby-Künstler verschiedene Techniken miteinander kombiniert.

Der richtige Platz

Action Painting macht sehr viel Spaß. Allerdings bekommen neben dem Malgrund auch die gesamte Umgebung und der Hobby-Künstler selbst reichlich Farbe ab. Professionelle Künstler haben meist ein Atelier, das entsprechend ausgestattet ist.

Der Hobby-Künstler sollte aber besser nicht in dem Zimmer experimentieren, in dem er sonst malt. Die Aufräumarbeiten könnten sonst zu aufwändig werden.

Optimal ist, wenn sich der Hobby-Künstler im Garten oder auf der Terrasse austoben kann. Ansonsten sind vielleicht der Keller oder die Garage gute Alternativen. Auf jeden Fall sollte der Hobby-Künstler aber den Boden und die Wände zum Schutz vor Farbspritzern mit Folie abdecken.

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Hier schreiben die beiden Künstler und Maler RZA & Feryal (Christian Gülcan & Ferya Gülcan). Beide Baujahr 1974, mit teilweise unterschiedlichen Einstieg (Grafitti, Zeichnen & Design) in die Acrylmalerei. Wir sind Markeninhaber der Kunstschmiede kooZal und malen hauptsächlich moderne und abstrakte Acrylbilder im Großformat. Unser eigenes Studio bzw. Atelier befindet sich in Bremen.

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