Farbverläufe mit Acrylfarben – so geht’s

Farbverläufe mit Acrylfarben – so geht’s 

Sanft fließende Farbverläufe mit Acrylfarben anzulegen, ist nicht ganz so einfach. Denn durch die kurze Trocknungszeit bleibt dem Künstler nicht viel Spielraum. Doch gewusst wie, lässt auch die Acrylmalerei sanft ineinanderfließende Farben zu.

Als die Acrylfarbe in den 1950er-Jahren auf den Markt kam, fand sie schnell großen Zuspruch. Schließlich lässt sich die unkomplizierte Acrylfarbe äußerst vielseitig einsetzen und es gibt kaum Regeln, die beim Malen beachtet werden müssen. Was die maltechnischen Eigenschaften, aber auch die Leuchtkraft und Farbbrillanz angeht, ist die Acrylfarbe durchaus mit der Ölfarbe vergleichbar. Gleichzeitig weist sie aber ein paar große Vorteile auf. Keine nennenswerten Ansprüche an den Malgrund, kein unangenehmer Geruch und sehr kurze Trocknungszeiten sind Beispiele für die Pluspunkte.

Gerade die sehr kurzen Trocknungszeiten sind allerdings nicht nur ein großer Vorteil, sondern können auch ein Minuspunkt sein. Denn der Künstler muss zwar keine langen Wartezeiten in Kauf nehmen, ist andererseits aber dazu gezwungen, recht zügig zu arbeiten. Und die sehr kurzen Trocknungszeiten sind auch der Hauptgrund dafür, dass feine, sanfte Farbverläufe in der Acrylmalerei nicht ganz so einfach umzusetzen sind.

Wie es trotzdem gelingt, erklärt dieser Beitrag.

 

Was ist überhaupt ein Farbverlauf?

Ein Farbverlauf bezeichnet den Übergang von einer Farbe in eine andere Farbe. Dabei kann ein Farbverlauf sowohl aus verschiedenen Farbtönen als auch aus unterschiedlichen Tonwerten bestehen. Von einem Farbverlauf wird aber in erster Linie bei einem gleichmäßigen, sanft fließenden Farbübergang gesprochen.

Der Fachausdruck dafür lautet Gradient. Im Unterschied dazu wird ein kleiner, unregelmäßiger Farbverlauf, der auch nicht unbedingt fließend angelegt sein muss, eher als Farbabstufung bezeichnet. Und schließlich gibt es noch die sogenannten Valeurs. Hierbei handelt es sich um Tonwerte, die so modelliert und strukturiert werden, dass Lichter und Schatten zum Ausdruck kommen. Die Farbfläche erhält dadurch eine natürliche und realistische Optik.

In der Malerei werden Farbverläufe angelegt, um Farbabstufungen und Helligkeiten zu erzeugen. Gleichzeitig sorgen Farbverläufe für die notwendige Plastizität und eine räumliche Wirkung. Dies wiederum ist vor allem dann wichtig, wenn Bildobjekte realistisch dargestellt werden sollen.

Ein Himmel zum Zeitpunkt eines Sonnenuntergangs etwa erfordert weiche Farbverläufe, die von einem hellen Orange am Horizont über einen warmen Rotton allmählich in ein dunkles Blau übergehen. Auch bei der Darstellung von Wolken oder menschlicher Haut muss der Künstler mit sanften, weich fließenden Farbabstufungen spielen. 

 

Farbverläufe mit Acrylfarben – so geht’s

Je nach Maltechnik gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie ein Farbverlauf ausgeführt werden kann. Grundsätzlich bilden aber zwei Techniken die Grundlage, nämlich

  • ·         das Lavieren, bei dem ein Farbton mit Wasser verwaschen wird, und
  • ·         die Nass-in-nass-Technik, bei der zwei Farbtöne mit- und ineinander vermalt werden. 

In der Acrylmalerei ist das Anlegen von sanften, weich fließenden Farbverläufen deshalb schwierig, weil die Farben sehr schnell trocknen. Aus diesem Grund ist es leichter, einen Farbverlauf mit nur einer Farbe zu gestalten, die zunehmend verblasst.

Und das geht so:

·         Zuerst wird der Malgrund an der entsprechenden Stelle dünn mit Wasser befeuchtet. Durch den feuchten Malgrund verlängert sich die Trocknungszeit um etwa 15 Minuten. Wichtig ist aber, den Malgrund wirklich nur mäßig zu befeuchten. Denn wenn der Malgrund sehr nass ist, könnte die aufgebrachte Farbe, ähnlich wie in der Aquarellmalerei, unkontrolliert verlaufen.

·         Auf die feuchte Fläche wird der ausgewählte Farbton aufgetragen. Wie breit oder schmal der Farbstreifen angelegt wird, hängt davon ab, welche Fläche der Farbverlauf einnehmen soll.

·         Dann wird der Pinsel mit sauberem Wasser ein wenig ausgespült und in einem Tuch leicht abgetrocknet. Anschließend wird der Pinsel leicht überlappend am Rand der eben aufgetragenen Acrylfarbe entlang gezogen. Dabei wird der Pinsel in einem sehr flachen Winkel gehalten und mit wenig Druck über den Malgrund geführt. Das Ganze wird dann noch ein, zwei weitere Male wiederholt.

·         Danach geht es mit dem neu entstandenen, blasseren Farbstreifen weiter. Auch hier wird der Pinsel wieder ausgespült, ein wenig abgetrocknet und leicht überlappend über den Farbrand gezogen. Dadurch bildet sich erneut ein Farbstreifen, der noch etwas blasser ist. Auch dieser Farbstreifen wird mit dem ausgespülten Pinsel bearbeitet. Dies wird solange fortgesetzt, bis die Acrylfarbe nahezu transparent ist.

·         Wichtig ist aber, dass der Künstler die Zeit im Auge behält. Denn bevor die Acrylfarbe trocken ist, muss der Farbverlauf noch verwischt werden. Auf diese Weise verschwinden die sichtbaren Pinselstriche und ein gleichmäßiger, sanfter Farbverlauf entsteht. Zum Verwischen wird ein Vertreiberpinsel oder ein möglichst breiter Flachpinsel verwendet. Der Pinsel wird im rechten Winkel zur bisherigen Malrichtung und mit wenig Druck über den Farbverlauf gezogen.

·         Sollte die Acrylfarbe zwischenzeitlich an einigen Stellen bereits angetrocknet sein, kann der Künstler gegensteuern, indem er die gesamte Fläche gleichmäßig mit Wasser befeuchtet.

Die eben beschriebene Technik nennt sich Lavieren, was soviel wie Verwaschen bedeutet. Möchte der Künstler einen Farbverlauf aus zwei oder mehr Farbtönen anlegen, geht er im Prinzip ähnlich vor. In diesem Fall ersetzt er das Wasser aber durch einen anderen Farbton. Nach dem Vornässen des Malgrunds trägt der Künstler also zuerst zwei Farben flächig nebeneinander auf.

Anschließend vermischt er die Farben miteinander. Dazu zieht er den ausgewaschenen Pinsel in mehreren Bahnen quer zum Farbverlauf über die Farbflächen. Damit die Farben gleichmäßig ineinander übergehen, wird der ausgewaschene Pinsel in einem spitzen Winkel gehalten, im Zickzack über die Trennlinie zwischen den beiden Farben geführt und mit Druck über den Malgrund gezogen. Nach dem Verwischen wird der Farbverlauf noch geglättet. Dazu wird ein Vertreiberpinsel oder ein breiter Flachpinsel mit wenig Druck und in einem sehr flachen Winkel über die Farbübergänge geführt. 

 

So lässt sich die Trocknungszeit von Acrylfarben verlängern

Je länger die Acrylfarben feucht bleiben, desto länger kann der Künstler seine Farbflächen und Farbverläufe bearbeiten. Ein hilfreiches Malmittel kann deshalb ein Trocknungsverzögerer sein. Er wird der Farbe hinzugefügt und sorgt durch die enthaltenen Alkohole, Feuchthaltemittel und Additive dafür, dass die Acrylfarbe nicht so schnell trocknet.

Im Künstlerbedarf ist der Trocknungsverzögerer auch unter der Bezeichnung Retarder erhältlich. Einige Künstler verwenden stattdessen auch reines Glycerin aus der Apotheke, um die Trocknungszeit zu verlängern. Allerdings ist es nicht zwingend notwendig, zu einem speziellen Malmittel zu greifen.

Denn manchmal reichen schon kleine Tricks, um sich die benötigte Arbeitszeit zu schaffen:

·         Wie schnell die Acrylfarbe trocknet, hängt von den Raumbedingungen, dem Malgrund und der Dicke der Farbschicht ab. Der Künstler sollte deshalb in einem kühlen Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit malen. In einem Raum mit einer Temperatur von 18 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von gut 70 Prozent beispielsweise verlängert sich die Trocknungszeit der Acrylfarben auf etwa zwei Stunden. Im Unterschied dazu sind Acrylfarben in einem stark aufgeheiztem Raum mit trockener Luft oder beim Malen in der Sonne schon nach wenigen Augenblicken trocken.

·         Der Künstler sollte seinen Malgrund vor jedem Farbauftrag mit wenig Wasser befeuchten. Der leicht feuchte Malgrund verlängert die Trocknungszeit um bis zu 30 Minuten. Gleichzeitig macht es ein feuchter Malgrund leichter, fließende Farbübergänge zu gestalten.

Zwischendurch kann der Künstler die aufgetragenen Farbflächen befeuchten, um so das Trocknen hinauszuzögern. Zum Befeuchten eignet sich ein Parfümzerstäuber oder eine Sprühflasche sehr gut. Denn ein feiner Sprühnebel befeuchtet die Flächen gleichmäßig und verhindert gleichzeitig, dass die Farben unkontrolliert zerlaufen.

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