Profitipps für perfekt grundierte Leinwände

Profitipps für perfekt grundierte Leinwände

 

Acrylfarben lassen sich auf sehr vielfältige Art und Weise vermalen. So ist vom leichten, transparenten Farbauftrag bis hin zu dicken Farbschichten in der Spachteltechnik praktisch alles möglich. Acrylfarben können mit Wasser verdünnt, mit verschiedenen Malmitteln vermischt und auf den verschiedensten Malgründen verwendet werden.

Sie trocknen wasserfest auf, riechen kaum, lassen sich recht einfach handhaben und können in Sachen Farbintensität und Leuchtkraft durchaus mit Ölfarben mithalten.

Einziger kleiner Minuspunkt kann die sehr kurze Trocknungszeit sein. Mit entsprechenden Malmitteln kann aber auch die Trocknungszeit gesteuert werden. 

Im Gegensatz zur Ölmalerei und vielen anderen Maltechniken bietet die Acrylmalerei außerdem den Vorteil, dass auf eine Grundierung verzichtet werden kann. Wird auf Leinwand gemalt und ist diese unbehandelt, ist es aus mehreren Gründen aber trotzdem empfehlenswert, vorab eine Grundierung aufzutragen. So ist es zunächst einmal einfacher und angenehmer, auf einem gleichmäßigen Untergrund zu malen.

Außerdem wird die Maloberfläche durch die Grundierung zusätzlich gefestigt und die Farbe kann sich besser verankern, ohne dabei zu tief in den Malgrund einzudringen. Hinzu kommt, dass schon durch die Grundierung die spätere Bildwirkung beeinflusst werden kann. Je nach Struktur und Farbton der Grundierung wirkt ein Bild plastischer und die Farben erscheinen leuchtender oder gedämpfter, wärmer oder kühler. Aber welche Möglichkeiten für Grundierungen gibt es, wie werden sie aufgetragen und worauf gilt es zu achten?

 

Hier die wichtigsten Infos und Tipps dazu in der Übersicht:

 

Leinwände mit spezieller Grundierungsfarbe oder Fassadenfarbe grundieren

Im Künstlerbedarf gibt es eine breite Palette an speziellen Künstler-Grundierungsfarben, die von saugenden Grundierungen bis hin zu Kalkgrund alles bietet, was das Künstlerherz begehrt. Allerdings sind diese Spezialfarben auch vergleichsweise teuer. Da es sich bei diesen Farben letztlich um hochwertige Fassadenfarbe für den Außenbereich handelt, spricht aber auch überhaupt nichts dagegen, gleich zu Fassadenfarbe zu greifen.

Fassadenfarbe für den Außenbereich ist wasserfest, leicht saugend, sehr elastisch und kommt auch mit größeren Temperaturunterschieden und Schwankungen der Luftfeuchtigkeit gut zurecht. Damit bringt die Farbe die perfekten Voraussetzungen als Grundierungsfarbe für Leinwände mit. Wichtig ist aber, auf eine gute Qualität zu achten, denn nur eine hochwertige Fassadenfarbe stellt eine dauerhafte, elastische und widerstandfähige Grundierung sicher.

Hochwertige Fassadenfarbe hat natürlich ihren Preis. Eine alte Malerweisheit besagt jedoch, dass ein Bild nur so gut und haltbar ist wie sein Untergrund. Wer sich für eine Grundierung entscheidet, sollte deshalb nicht gleichzeitig daran sparen wollen.

Im Baumarkt gibt es auch Haftgrundierungen. Dies eignen sich sehr gut, um starre Bildträger wie Holz-, Metall- oder Kunststoffplatten zu grundieren. Als Grundierung für Leinwände ist Haftgrund nicht geeignet, denn er ist nicht elastisch genug. Die Leinwand könnte deshalb brüchig werden oder gar einreißen.

 

Leinwände mit Acrylbinder grundieren

Acrylbinder besteht aus Reinacrylat und Wasser. Er dient als Bindemittel in Acrylfarben und ist im Handel auch als Acrylbindemittel, Reinacrylatdispersion, Acrylharzdispersion oder Acrylatharzdispersion erhältlich. Im Grunde genommen ist Acrylbinder eine farblose Acrylfarbe, also eine Acrylfarbe ohne Farbpigmente. Acrylbinder eignet sich hervorragend als Grundierung, denn er ist sehr elastisch und wirkt wie eine Klebeschicht zwischen dem Bildträger und den Farbschichten.

Wird eine Leinwand mit Acrylbinder grundiert, wird die Grundierung in mehreren Schichten aufgetragen. In der Praxis hat es sich dabei bewährt, den Acrylbinder mit Wasser zu verdünnen.

Das Mischverhältnis kann bei allen Schichten gleich bleiben oder der Wasseranteil wird bei jedem der folgenden Grundierungsanstriche reduziert. Ein gängiges Schema in diesem Zusammenhang ist, das Verhältnis zwischen Acrylbinder und Wasser an die Anzahl der Grundierungsschichten anzupassen.

Werden beispielsweise fünf Grundierungsschichten aufgetragen, werden für den ersten Anstrich ein Teil Acrylbinder und fünf Teile Wasser miteinander vermischt. Beim dritten Anstrich beträgt das Verhältnis ein Teil Acrylbinder zu drei Teilen Wasser, für die fünfte und letzte Schicht wird ein Gemisch im Verhältnis 1:1 verwendet.

 

Leinwände auf traditionelle Art grundieren

Statt spezieller Grundierungsfarbe, Fassadenfarbe oder Acrylbinder ist es auch möglich, eine eigene Grundierungslösung anzumischen. Hierbei kommen meist die Rezepturen zur Anwendung, die auch in der Ölmalerei verwendet werden. Die Basis bildet ein Leimwasser, das in einer ganz einfachen Version aus 60g Knochen-, Haut- oder Hasenleim und 500ml Wasser besteht.

Der Leim wird zerkleinert, in 250ml kaltes Wasser gegeben und muss dann etwa 24 Stunden quellen. Danach wird das restliche Wasser hinzugefügt und die Mischung auf etwa 60 Grad erhitzt, bis sich der Leim vollständig gelöst hat. Wenn das Leimwasser auf etwa 30 Grad abgekühlt ist, kann es als Grundierung verwendet werden. Je nach gewünschter Bildwirkung können dem Leimwasser aber auch weitere Zutaten hinzugefügt werden.

Für eine weiße Grundierung bieten sich Zusätze wie China Clay, Champagner Kreide, Lithopone, Kaolin oder Marmormehl an. Für farbige Grundierungen oder Grundierungen, die eine strukturierte Bildfläche entstehen lassen sollen, können Farbpigmente, fein gemahlene Harze, Sand oder pulversierte Steine beigemischt werden. Ist die Grundierung zu dickflüssig, ist es möglich, sie mit warmem Wasser zu verdünnen.

 

Profitipps für perfekt grundierte Leinwände

·         Eine Grundierung sollte immer in dünnen Schichten aufgetragen werden. Je dünner die Schichten sind, desto elastischer und flexibler bleibt die Leinwand. Gleichzeitig sollte die Leinwand aber gleichmäßig benetzt sein. Grundsätzlich sollte eine Leinwand mindestens zweimal grundiert werden, meist werden aber vier oder fünf Schichten aufgetragen.

·         Der Auftrag der Grundierung erfolgt üblicherweise mit einem breiten Pinsel. Dabei hat es sich bewährt, kreisförmig von innen nach außen zu arbeiten. Durch die feuchte Grundierung spannt sich die Leinwand. Würde von außen nach innen grundiert werden, könnte es passieren, dass sich die Leinwand schief verzieht. Sollte sich die Leinwand nach dem Grundieren wellen, kann sie vorsichtig nachgespannt werden. 

·         Die Grundierung sollte die Poren der Leinwand dicht und gleichmäßig verschließen. Als Test hat es sich bewährt, die grundierte Leinwand gegen das Licht zu halten. Eventuelle Lücken werden dadurch sichtbar und die Fehlstellen können ausgebessert werden.

·         Grundsätzlich sollte die Leinwand keinerlei Falten aufweisen, wenn sie grundiert wird. Die Grundierung würde die Falten nämlich fixieren, so dass sie dann praktisch nicht mehr zu entfernen sind. Ist die Leinwand faltig, sollten die Falten mit Wasser besprüht, eingepinselt oder abgetupft werden. Die feuchten Stellen spannen sich daraufhin und meist ziehen sich die Falten dadurch heraus. Bei hartnäckigen Falten ist es außerdem möglich, die Leinwand zu bügeln. Dann sollte aber auf jeden Fall ein Tuch auf die Leinwand gelegt werden, denn andernfalls würden die feinen Fasern am Bügeleisen klebenbleiben und verbrennen.

·         Bevor eine weitere Grundierungsschicht aufgetragen oder die grundierte Leinwand bemalt wird, sollte sie unbedingt getrocknet sein. Andernfalls kann es passieren, dass sich die einzelnen Schichten vermischen, in die Leinwand einziehen und nicht richtig trocknen.

·         Ist die Grundierung nicht glatt geworden und ist keine körnige Struktur gewünscht, kann die noch feuchte Bildoberfläche vorsichtig mit einem Spachtel abgezogen werden, um sie so zu glätten. Alternativ ist möglich, die Grundierung nach dem Trocknen mit feinem, hellen Schmirgelpapier leicht abzuschleifen.

Durch eine farbige Grundierung lässt sich die Wirkung der Farben steuern. So lässt ein gelber oder ockerfarbener Malgrund die Farben intensiv leuchten, während eine Grundierung in Braun oder Schwarz Farben wärmer erscheinen lässt. Eine Grundierung in Rot, Grün oder Blau kann sichtbar bleiben und in das Bild integriert werden. Bei einer farbigen Grundierung hat es sich allerdings bewährt, die Leinwand erst zwei- bis dreimal in Weiß zu grundieren und danach dann zwei- bis drei farbige Grundierungsschichten aufzutragen.

 

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