Die Assemblage als Kunstgattung, Teil II

Die Assemblage als Kunstgattung, Teil II

Die Assemblage gehört zu den Kunstgattungen, die nicht ganz so bekannt sind. Dabei hat dieses Genre sehr interessante Werke zu bieten. Als eine Form der Objektkunst versammelt und ordnet die Assemblage auf einer zweidimensionalen Fläche verschiedene Materialien und Gegenstände so an, dass ein dreidimensionales Kunstwerk entsteht.

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Die Assemblage als Kunstgattung, Teil II

Hier liegt auch der Ursprung der Bezeichnung, denn Assemblage geht auf das französische Verb „assembler“ für versammeln zurück.

In einem zweiteiligen Beitrag schauen wir uns die Kunstgattung einmal näher an. Dabei haben wir in Teil I erklärt, wie die bildende Kunst die Assemblage definiert und was sie von anderen Formen der Objektkunst unterscheidet.

Hier ist Teil II!:

Die Entstehung und Entwicklung der Assemblage als Kunstgattung

Der Beginn der Assemblage-Kunst wird zwar zeitlich auf die 1950er-Jahre datiert. Die Einflüsse, die der Kunstgattung den Weg bereitet haben, liegen jedoch deutlich weiter zurück.

In der gesamten Kunstgeschichte haben sich neue künstlerische Ausdrucksformen regelmäßig aus verschiedenen Ideen und Einflüssen heraus entwickelt. Dabei kann es sich um politische Ereignisse oder gesellschaftliche Bedingungen handeln, auf die die Kunst mit Strömungen oder Stilrichtungen reagiert.

Aber auch einzelne Künstler und deren künstlerische Ausdrucksformen gelten oft als Wegbereiter, die gewissermaßen den Grundstein für eine neue Kunstgattung gelegt haben. So verhält es sich auch mit der Technik der Assemblage, die zweidimensionale Arbeiten in dreidimensionale Kompositionen überführt.

Ein Beispiel für einen sehr frühen Einfluss ist das Bild Der Gemüsegärtner von Giuseppe Arcimboldo, das um 1560 entstand. Auf den ersten Blick sieht das Ölbild nach einem klassischen Stillleben aus, das eine Schüssel voller Gemüse zeigt.

Doch wenn das Bild um 180 Grad gedreht wird, erscheint ein Mann. Das Gemüse verwandelt sich in das Gesicht des bärtigen Gemüsegärtners und die Schüssel stellt seinen Hut dar. Bereits im 16. Jahrhundert wendete Arcimboldo somit das Prinzip der Assemblage an, indem er das Gemüse entgegen seiner eigentlichen Funktion zu Sinnesorganen eines Menschen machte.

Ein anderes Beispiel sind die Trencadis-Mosaike von Antoni Gaudi. Der spanische Architekt fügte um 1900 Bruchstücke aus Marmor, Keramik und Glas in verschiedenen Formen, Farben und Größen zu Mustern zusammen.

Auch das ist eine Parallele zur Assemblage, denn verschiedenartige Elemente fügen sich zu etwas Neuem zusammen und erhalten so eine neue Bedeutung.

Die Assemblage in der Postmoderne

Insgesamt wird die Assemblage als Kunstgattung der Postmoderne zugeordnet. Die entscheidenden Einflüsse auf die Entstehung und Entwicklung der Kunstform sind deshalb überwiegend zu Beginn des 20. Jahrhunderts und damit direkt vor den Anfängen der Postmoderne zu verzeichnen.

Als Postmoderne gilt die Zeit ab etwa 1950 und in dieser Zeit erhielt die Assemblage ihren Namen. Gleichzeitig griffen viele Künstler auf die Technik zurück.

Oft wird die Assemblage als eine Weiterentwicklung der Collage gesehen. Sie erweitert die Idee der Collage, neue Kompositionen aus unterschiedlichen Elementen zu gestalten, durch das Element des dreidimensionalen Raums anstelle einer zweidimensionalen Fläche.

Die Anfänge der Collage waren somit auch richtungsweisend für die Anfänge der Assemblage.

Eine besondere Rolle in dieser Hinsicht spielen die kubistischen Arbeiten von Pablo Picasso. Sein Kunstwerk Stillleben mit Rohrstuhlgeflecht gilt als eine der ersten Collagen überhaupt.

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Auf dem Bild sind die einzelnen Motive wie in einer Collage angeordnet und als Ganzes von einer dicken Kordel umrahmt. Auf diese Weise verknüpfte Picasso die zweidimensionale Leinwand mit einem dreidimensionalen Gegenstand.

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Der französische Künstler Jean Dubuffet stellte in den 1950er-Jahren Collagen aus Schmetterlingsflügeln zusammen und nannte sie Assemblages d’Empreintes. In seiner Funktion als Kurator am Museum of Modern Art griff William C. Seitz die Bezeichnung auf.

In den 1960er-Jahren organisierte er eine Ausstellung mit Arbeiten von Assemblage-Künstlern wie Robert Rauschenberg und Edward Kienholz, die er als „The Art of Assemblage“ betitelte. Die Ausstellung führte dazu, dass sich der Begriff der Assemblage in der Kunstgeschichte etablierte.

Während der Postmoderne gewann die Kunstgattung zunehmend an Bedeutung. Einen großen Beitrag dazu leistete Robert Rauschenberg, der in seinen Combine Paintings die zweidimensionale Malerei mit der dreidimensionalen Assemblage verknüpfte.

Andere Künstler, die die Technik der Assemblage in ihren Arbeiten anwendeten, waren zum Beispiel Alberto Burri, Joseph Cornell, Louise Nevelson, Man Ray und Kurt Schwitters.

Im Verlauf der Zeit wurde die Assemblage zunehmend populär. Heute gilt sie als maßgeblicher Wegbereiter für die Pop-Art und die Installationskunst.

Die Merkmale der Assemblage

Sowohl aus der Definition als auch aus der Entwicklungsgeschichte lassen sich die wesentlichen Merkmale der Assemblage als Kunstgattung ableiten:

  • Getreu ihres Namens trägt eine Assemblage unterschiedliche Objekte zusammen, die gemeinsam mit verschiedenen anderen Gegenständen zu einem Kunstwerk arrangiert werden.

  • Die eingesetzten Objekte sind Alltagsgegenstände oder Fundstücke aus der Natur. Im Bild werden die Objekte dann entgegen ihrer ursprünglichen Bedeutung oder eigentlichen Funktion in einen anderen, neuen Kontext gesetzt.

  • Während die Collage eher flächig arbeitet, spielt bei der Assemblage die Dreidimensionalität eine maßgebliche Rolle. Klare Grenzen zwischen den beiden Techniken lassen sich aber nicht immer ziehen.

  • Im Unterschied zum Environment zielt die Assemblage weniger darauf ab, die Umgebung mit einzubeziehen. Sie legt den Fokus vielmehr darauf, wie die verwendeten Materialien und Objekte im Zusammenspiel wirken.

Typische Materialien bei der Assemblage

Ein charakteristisches Merkmal der Assemblage ist, dass sie Materialien und Gegenstände verarbeitet, die bereits existieren. Meist handelt es sich um Dinge, die direkt aus dem alltäglichen Leben stammen, so zum Beispiel Kleidung, Glühbirnen, Maschinenteile oder Abfallprodukte.

Auch Fundstücke von Flohmärkten und aus Secondhandshops oder aus der Natur werden gerne verarbeitet.

Beliebt sich außerdem Gegenstände mit symbolischem Charakter. Dazu zählen beispielsweise Uhren. Weit vor der Assemblage waren Uhren in den verschiedensten Kunstformen von Bildern bis hin zu Texten ein Sinnbild für die Vergänglichkeit.

Ähnliches gilt für Schlüssel, die ebenfalls eine starke Symbolik besitzen und ein häufiger Gegenstand in Assemblagen sind.

Und nicht zuletzt greift die Assemblage, genau wie auch die Collage, oft auf Fotografien zurück, die sie dann kunstvoll und dreidimensional in Szene setzt.

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Hier schreiben die beiden Künstler und Maler RZA & Feryal (Christian Gülcan & Ferya Gülcan). Beide Baujahr 1974, mit teilweise unterschiedlichen Einstieg (Grafitti, Zeichnen & Design) in die Acrylmalerei. Wir sind Markeninhaber der Kunstschmiede kooZal und malen hauptsächlich moderne und abstrakte Acrylbilder im Großformat, malen aber auch mit Ölfarben, lieben Druck- & Schablonentechniken und zeichnen viel. Unser eigenes Studio bzw. Atelier befindet sich in Bremen.

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