Sgraffito mit Acrylfarben – so geht’s

Sgraffito mit Acrylfarben – so geht’s

In der Malerei gibt es viele verschiedene Maltechniken. Alla prima, Impasto oder Lasuren sind ein paar Beispiele. Eine weitere Technik ist Sgraffito. Was sich dahinter verbirgt und wie es geht, erklären wir in dieser Anleitung!

Sgraffito mit Acrylfarben - so geht's

Was ist Sgraffito?

Der Begriff Sgraffito stammt aus dem Italienischen und bedeutet übersetzt soviel wie Kratzen. Das Bild entsteht bei dieser Maltechnik dadurch, dass zuerst zwei oder mehr Farbschichten übereinander aufgetragen und anschließend stellenweise wieder abgenommen werden.

Ursprünglich wurde Sgraffito eingesetzt, um Wandflächen dekorativ zu gestalten. Vor allem in Italien und Böhmen war die Technik im 16. Jahrhundert beliebt und weit verbreitet. Die Künstler trugen zunächst eine Schicht Putz auf die Wandfläche auf.

Anschließend verputzen sie die Wand ein zweites Mal und kratzen die obere Putzschicht danach zum Teil wieder ab. Auf diese Weise kam die untere Putzschicht erneut zum Vorschein und durch die Farbkontraste entstand die Bildwirkung.

Was auf Wandflächen funktioniert, klappt auch auf Malkarton und Leinwand. Im Laufe der Zeit fand die Technik daher in die Malerei ebenfalls ihren Weg. Und wer etwas Neues ausprobieren möchte, lernt mit Sgraffito eine Technik kennen, die nicht nur sehr spannend ist, sondern zugleich großen Spaß macht.

Sgraffito mit Acrylfarben – die Materialien

Um die Maltechnik umzusetzen, werden benötigt:

  • Acrylfarben

  • Malkarton oder Leinwand als Malgrund

  • Pinsel

  • Malmesser, Karton, Kamm oder anderes Werkzeug zum Abkratzen der Farbschicht

Vor allem für die obere Farbschicht sollte der Künstler zu einer dickflüssigen, pastosen Acrylfarbe greifen. Denn zu den Eigenschaften von Acrylfarben gehört, dass sie recht schnell trocknen. Was an anderer Stelle ein großer Vorteil ist, ist bei Sgraffito eher ein Nachteil. Ist die Farbschicht getrocknet, lässt sie sich nämlich nicht mehr abkratzen.

Auf dem Gebinde ist in aller Regel angegeben, welche Konsistenz die jeweilige Acrylfarbe hat. Meist ist es so, dass Acrylfarben in Flaschen dünnflüssiger sind als Acrylfarben in Tuben.

Im Künstlerbedarf sind spezielle Verdicker erhältlich, durch die die Konsistenz der Acrylfarben aber nachträglich noch dickflüssiger eingestellt werden kann. Ein Trocknungsverzögerer wiederum sorgt dafür, dass die Farben länger feucht bleiben. Vor allem bei großformatigen Bildern kann das nützlich sein.

Sgraffito mit Acrylfarben – so geht’s

Die Maltechnik wird mit Acrylfarben im Prinzip genauso umgesetzt, wie es seinerzeit die Künstler bei der Gestaltung von Wandflächen gemacht haben. Es werden also zwei Farbschichten auf den Malgrund aufgetragen.

Das Bild entsteht dann dadurch, dass die obere Farbschicht abgekratzt und so die untere Farbschicht freigelegt wird. Doch der Reihe nach!:

  1. Schritt: den Malgrund gestalten

Zunächst trägt der Künstler die erste Farbschicht auf seinen Malgrund auf. Dabei bleibt es dem eigenen Geschmack überlassen, ob es eine wilde Mischung aus verschiedenen Farbflächen, ein eher grafisches Muster oder ein bildliches Motiv wird.

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Genauso ist möglich, einen Farbverlauf anzulegen, den Malgrund recht schlicht mit zwei Farben zu gestalten oder sogar nur einheitlich in einer Farbe zu bemalen.

Bevor es dann weitergehen kann, muss die erste Farbschicht komplett durchtrocknen.

  1. Schritt: die zweite Farbschicht auftragen

Nun deckt der Künstler den Malgrund mit einer zweiten Farbschicht ab. Dazu kann er die Acrylfarbe direkt aus der Tube auf den Malgrund geben und anschließend zügig mit einem Malmesser oder einem größeren Pinsel verteilen.

Damit das Sgraffito seine volle Wirkung entfalten kann, sollte der Farbton der zweiten Schicht einen deutlichen Kontrast zur ersten Farbschicht bilden. Hat sich der Künstler zum Beispiel für ein sehr buntes Farbmuster oder Motiv entschieden, bieten sich für die obere Schicht Farben wie Schwarz, Weiß oder Grau an.

Wichtig ist außerdem, nicht an Farbe zu sparen. Je dicker die Farbschicht desto, desto länger braucht sie nämlich zum Trocknen. Dadurch bleibt auch dem Künstler mehr Zeit, sein Bild zu gestalten.

  1. Schritt: die obere Farbschicht abnehmen

Ist der Malgrund mit der zweiten Farbschicht bedeckt, beginnt der spannende Teil. Jetzt nimmt der Künstler die Farbe nämlich wieder weg und gestaltet dadurch sein Bild.

Um die Farbe abzukratzen, kann der Künstler zum Beispiel mit einem Malmesser arbeiten. Für breite Flächen kann er ein Stück Pappkarton, eine alte Scheckkarte oder ein kleines Lineal verwenden. Feinere Linien hingegen entstehen mit dem Ende des Pinselstiels, während ein Kamm für tolle Muster sorgt.

Je nachdem, welche Wirkung der Künstler erzielen möchte, kann er die Farbe in geraden oder geschwungenen Linien, nach einem bestimmten Schema oder durch freie Bewegungen abnehmen.

Damit die untere Farbschicht wie gewünscht zum Vorschein kommt, ist ratsam, das Werkzeug gelegentlich in einem Tuch abzustreifen. So ist sichergestellt, dass das Werkzeug genug Farbe abheben kann, ohne bereits freigelegte Stellen wieder zu verschmieren.

Ist das Abkratzen beendet, ist das Acrylbild in Sgraffito Technik fertig und muss nun nur noch trocknen. Aber der Künstler muss es natürlich nicht dabei belassen. Stattdessen kann er eine weitere Farbschicht auftragen und erneut abkratzen.

Vor allem wenn die vorherigen Farbschichten einfarbig oder recht schlicht gehalten waren, entstehen auf diese Weise tolle Effekte.

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Hier schreiben die beiden Künstler und Maler RZA & Feryal (Christian Gülcan & Ferya Gülcan). Beide Baujahr 1974, mit teilweise unterschiedlichen Einstieg (Grafitti, Zeichnen & Design) in die Acrylmalerei. Wir sind Markeninhaber der Kunstschmiede kooZal und malen hauptsächlich moderne und abstrakte Acrylbilder im Großformat. Unser eigenes Studio bzw. Atelier befindet sich in Bremen.

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