Übersicht: die verschiedenen Bildträger für die Acrylmalerei
Was den Untergrund angeht, sind Acrylfarben wenig anspruchsvoll. In anderen Worten ausgedrückt bedeutet das, dass sich fast jedes Material als Träger für ein Acrylbild eignet und meist ist noch nicht einmal eine Grundierung notwendig. Allerdings gibt es je nach Bildträger ein paar Kleinigkeiten, die berücksichtigt werden sollten.

Die folgende Übersicht stellt die verschiedenen Bildträger für die Acrylmalerei vor und gibt Tipps, worauf es zu achten gilt:
Inhalt
- 1 Textile Gewebe
- 2 Malblock, Malpappe, Karton und Papier
- 3 Holz, Metall, Kunststoff, Stein und Glas
- 4 Weitere Bildträger für Acryl – plus Vorbereitung, Grundierung & Praxischecks
- 4.1 Malplatten aus Holzwerkstoffen (MDF, HDF, Birke-Multiplex)
- 4.2 Hartfaser, Malkarton & Malpappen – der „solide Mittelweg“
- 4.3 Spezialpapiere: Acrylpapier, Mixed-Media & Yupo
- 4.4 Ungewöhnliche, aber spannende Träger: Keramik, Schiefer, Spiegel, Beton
- 4.5 Grundierung gezielt wählen: Gesso, Binder, Sperrgrund, Haftvermittler
- 4.6 Oberfläche vorbereiten – so einfach wie wirksam
- 4.7 Dicke Schichten, Spachteltechnik, Collage
- 4.8 Metall, Kunststoff, Stein & Glas – in der Praxis
- 4.9 Außen, Bad & Küche: Schutz und Beständigkeit
- 4.10 Archivierung, Nachhaltigkeit & Hängung
- 4.11 Entscheidungshilfe – welcher Bildträger passt?
- 4.12 Mini-Checkliste: Von blank bis bildbereit (ca. 20 Minuten aktiv)
- 4.13
- 4.14 Ähnliche Beiträge
Textile Gewebe
Ähnlich wie in der Ölmalerei wird auch in der Acrylmalerei sehr gerne zu Leinwand als Bildträger gegriffen. Im Fachhandel sind grundierte Leinwände in verschiedenen Formaten erhältlich, die bereits auf Keilrahmen aufgespannt sind und bedenkenlos verwendet werden können.
Mit Acrylfarben lassen sich aber auch viele andere Stoffe bemalen. Hervorragend geeignet ist beispielsweise rohes Baumwollgewebe, das in den feineren Varianten unter der Bezeichnung Nessel angeboten wird.
Das helle Beige dieses Stoffes unterstützt vor allem Landschaftsbilder und abstrakte Motive. Wird der Stoff vor dem Bemalen gewaschen, wird er etwas heller.
Ebenfalls sehr gut geeignet ist Leinen, der in unbehandelter Form eine dunkle, warme Farbe hat und dadurch die Leuchtkraft der Acrylfarben etwas dämpft. Dadurch ist Leinen prädestiniert für Motive wie Landschaften, Blumen und Tiere, aber auch für abstrakte Malereien in natürlichen Farben.
Es müssen aber keineswegs unbehandelte Stoffe sein. Auch bedruckte, farbige und bunt bedruckte Stoffe oder ausgemusterte Bettlaken und Tischdecken eignen sich als Bildträger für die Acrylmalerei.
Durch eine Grundierung in einem hellen Farbton wird ein einheitlicher Untergrund geschaffen.
Die Farbe oder das Stoffmuster können aber auch ganz bewusst in das Bild integriert werden und so zu eindrucksvollen Ergebnissen führen.
Generell gilt, dass der verwendete Stoff nicht zu dehnbar sein sollte. Ob der Stoff lose ausgelegt und bemalt oder auf einen Keilrahmen, eine Holzplatte oder einen anderen harten Untergrund aufgezogen wird, bleibt dem Geschmack des Künstlers überlassen.
Genauso kann der Künstler entscheiden, ob er den Stoff vorher waschen möchte oder ob nicht. Durch das Waschen nehmen die Stoffe die Farben in aller Regel besser auf, zudem entstehen nach dem Trocknen Knicke und Falten, die dem Malgrund eine interessante Struktur verleihen können.
Eine Grundierung ist grundsätzlich nicht notwendig. Soll der Stoff trotzdem grundiert werden, bietet sich Acrylbinder an. Stoffe eignen sich wegen des recht geringen Gewichts sehr gut für großformatige Bilder.
Sind sehr dicke Farbschichten geplant oder soll die Spachteltechnik zur Anwendung kommen, ist von einem textilen Gewebe hingegen eher abzuraten.
Durch die Adhäsionskräfte würde sich der Malgrund nämlich unschön verziehen und ausbeulen.

Malblock, Malpappe, Karton und Papier
Malblöcke und Malpappen sind häufig etwas kostengünstiger als grundierte Leinwände. Deshalb eignen sich diese Bildträger sehr gut für Versuche und Experimente, aber auch für Anfänger.
Das Papier bei einem Malblock hat üblicherweise eine Struktur, die an Leinwand erinnert. Zudem sind die Blätter mit einem Kunststoff beschichtet, der ein unschönes Wellen verhindert.
Auch Malpappe ist beschichtet und hat eine leinwandähnliche Oberflächenstruktur, allerdings bildet hier Karton den Kern. Zwingend notwendig sind Malblock oder Malpappe aber nicht, denn auch ganz normaler Pappkarton eignet sich als Bildträger.
Grundsätzlich gilt dabei dann, dass der Karton umso dicker und fester sein sollte, je dicker die Farbschichten werden sollen.
Normales, schlichtes Papier ist als Bildträger für die Acrylmalerei nicht unbedingt erste Wahl. Durch den Kontakt mit den feuchten Farben und die Adhäsionskräfte können vor allem bei dünnem Papier schnell Wellen und Beulen entstehen.
Wer trotzdem auf Papier malen möchte und kein dickes Papier zu Hand hat, kann seinen Bildträger aber wie in der Aquarellmalerei aufspannen.
Dafür wird das Papier auf der Rückseite leicht angefeuchtet und anschließend mit Malerkrepp, Klebeband oder speziellem Aquarellklebeband auf einer trockenen, glatten sowie fett- und staubfreien Holzplatte fixiert.
Das Anfeuchten der Rückseite bewirkt, dass sich das Papier ausdehnt. Normalerweise würde es sich wieder zusammenziehen, während es nun trocknet.
Dies wird aber durch das Klebeband verhindert, weshalb sich das Papier auch später beim Malen nicht wellt. Von der Holzplatte abgenommen wird das Acrylbild jedoch erst, wenn es fertig und vollständig durchgetrocknet ist.

Holz, Metall, Kunststoff, Stein und Glas
Holz gehört zu den sehr traditionellen Bildträgern in der Malerei, aber auch Platten und Objekte aus Metall, Kunststoff, Stein und Glas lassen sich mit Acrylfarben bemalen.
Der Vorteil dieser Materialien liegt darin, dass sie eine höhere Stabilität aufweisen als Karton oder Stoff und deshalb auch für dicke Farbschichten, die Spachteltechnik und Collagen bestens geeignet sind.
Kunststoff- und Glasplatten können nach dem Bemalen übrigens hinterleuchtet und so als einmalige Kunstobjekte eindrucksvoll in Szene gesetzt werden. Generell gilt, dass der verwendete Bildträger fett- und staubfrei sein muss und seine Oberfläche zudem nicht zu glatt sein sollte.
Auf einer sehr glatten Oberfläche kann sich die Farbe kaum verankern, was zu einem Abplatzen führen könnte.
Diese Gefahr ist umso größer, je dicker die Farbschichten sind. Ratsam ist deshalb, die Oberfläche mit etwas Schleifpapier behutsam anzurauen.
Wird Holz als Bildträger verwendet, kann der Künstler auf eine Grundierung verzichten. Er kann seinen Malgrund zwar grundieren, wenn er beispielsweise einen einheitlich hellen Farbton oder eine glatte Fläche erzielen möchte, zwingend notwendig ist die Grundierung aber nicht.
Bei Metall, Kunststoff, Stein und Glas als Bildträger ist dies anders. Hier sollte der Künstler auf jeden Fall eine Grundierung auftragen, nachdem er seinen Bildträger etwas angeraut und den Schleifstaub entfernt hat.
Am besten geeignet für die Grundierung ist ein Haftgrund, der für das jeweilige Material konzipiert und im Baumarkt als Spray oder flüssig zum Aufpinseln erhältlich ist. Alternativ ist möglich, einen Acryllack mit Terpentin zu verdünnen und als Grundierung aufzutragen.

Weitere Bildträger für Acryl – plus Vorbereitung, Grundierung & Praxischecks
Malplatten aus Holzwerkstoffen (MDF, HDF, Birke-Multiplex)
Malplatten sind erste Wahl, sobald Struktur, Spachtelmasse oder dicke Acrylschichten geplant sind. MDF/HDF bietet eine glatte, homogene Fläche; Birke-Multiplex ist robuster und verzieht sich bei großen Formaten weniger.
Kanten saugen stark – Kanten vor dem Grundieren versiegeln (z. B. mit Acrylbinder oder Sperrgrund), dann 2–3 dünne Schichten Acryl-Gesso mit Zwischenschliff (P 240–320).
Praxis-Tipp: Ab 60 × 80 cm eine rückseitige Leistenrahmung (Cradle) vorsehen. So bleibt die Platte plan – auch bei 2–3 mm Spachtelauftrag.
Hartfaser, Malkarton & Malpappen – der „solide Mittelweg“
Hartfaser- und Kartonträger sind günstig und ausreichend steif für moderate Schichtdicken. Je schwerer der Auftrag, desto dicker sollte der Kern sein. Vorarbeit: leicht anschleifen, entstauben, 1–2 Schichten Gesso.
Für Serien, Studien und Workshops ideal.
Spezialpapiere: Acrylpapier, Mixed-Media & Yupo
- Acrylpapier (300–400 g/m²): textile Oberfläche, stabil gegen Wellen, oft bereits oberflächenverleimt. Perfekt für Skizzen, Plein-Air und schnelle Serien.
- Mixed-Media-Papier: nimmt wässrige Verläufe gut an, bleibt aber formstabil.
- Yupo/Polypropylen-Papier: nicht saugend, dadurch leuchten Lasuren stark und lassen sich wieder abheben. Fixierung nach dem Malen einplanen (Zwischenspray/Firnis), da die Haftung mechanisch geringer ist.
Willst du doch auf „normalem“ Papier arbeiten? Aufspannen (Rückseite anfeuchten, umlaufend Klebeband, plan trocknen lassen) – dann wellt sich kaum etwas.

Ungewöhnliche, aber spannende Träger: Keramik, Schiefer, Spiegel, Beton
Keramikfliesen, Schieferplatten, gegossener Beton oder Spiegelglas eröffnen Licht- und Materialkontraste.
Der Schlüssel liegt in der Haftung:
- Entfetten (Isopropanol), anschleifen (P 400–600 bei Glas/Keramik), entstauben.
- Haftvermittler/Haftgrund passend zum Material auftragen (als Spray oder streichfähig).
- Auf sehr glatten Substraten lieber dünn arbeiten und Schichtaufbau trocknen lassen, bevor du übermalst.
Grundierung gezielt wählen: Gesso, Binder, Sperrgrund, Haftvermittler
- Acryl-Gesso: universeller Standard. Sorgt für leichte Saugfähigkeit, Zähne und ein einheitliches Weiß.
- Acrylbinder: versiegelt textile Gewebe transparent, erhält Stofffarbe/Muster (falls gewünscht sichtbar).
- Sperrgrund/Isoliergrund: bei Holzinhaltsstoffen/Tanninen (z. B. Eiche) verhindert er Verfärbungen in hellen Acrylschichten.
- Haftvermittler: für Kunststoffe (PP/PE/PVC), Glas und Metall. Erst Haftgrund, dann Gesso – so hält die Farbe zuverlässig.
Kurze Reihenfolge für „schwierige“ Untergründe: Entfetten → fein anschleifen → Haftvermittler → 1–2× Gesso → malen.
Oberfläche vorbereiten – so einfach wie wirksam
- Reinigen/Entfetten: Staub und Fett reduzieren die Haftung.
- Anschleifen: mattieren statt „runterschleifen“. Ziel ist Mikrorauigkeit.
- Entstauben: Mikrofasertuch oder Druckluft.
- Dünn grundieren: lieber mehrere dünne Schichten mit Zwischenschliff als eine dicke.

Dicke Schichten, Spachteltechnik, Collage
Planst du Impasto, Strukturpaste oder eingearbeitete Collageelemente? Dann zu starren Trägern greifen (MDF, Multiplex, Hartfaser). Textile Gewebe neigen sonst zum Ausbeulen.
Für extra Stabilität: Leinwand auf Platte kaschieren (Acrylbinder als Kleber, trocken pressen) – du kombinierst die Haptik des Gewebes mit der Tragfähigkeit der Platte.
Metall, Kunststoff, Stein & Glas – in der Praxis
- Metall: Rost entfernen, entfetten, Rostschutz-Primer, dann Gesso.
- Kunststoff: Unterscheide hochenergetisch (PVC, ABS – leichter) vs. niedrigenergetisch (PP, PE – schwieriger). Bei Letzteren spezielle Kunststoff-Primer verwenden, sonst perlt die Farbe später ab.
- Stein/Beton: Sehr saugend? Erst Tiefgrund (verfestigt), dann Gesso.
- Glas: feiner Schliff + Haftgrund; dünn schichten und gut durchtrocknen lassen.
Außen, Bad & Küche: Schutz und Beständigkeit
Acrylfarben sind wasserfest, aber nicht automatisch wetterfest.
Für exponierte Flächen:
- UV-stabile Acrylfirnisse (glänzend/matt) als Schluss.
- Bei großer Hitze-/Feuchtewechseln lieber starre Träger, solide Aufhängung (Schwingungen = Mikrorisse).
- Innen in Nassräumen: Kantenversiegelung + Schlussfirnis einplanen.
Archivierung, Nachhaltigkeit & Hängung
- Säurefreie Kartons/Papiere und emissionsarme Holzplatten (z. B. FSC-Birke) erhöhen die Langzeitstabilität.
- Flach lagern, vor direkter Sonne schützen, Rückseite etikettieren (Material, Datum, Medien).
- Schwere Platten sicher aufhängen (D-Ringe, französische Leiste); großformatige Leinwände quer versteifen.

Entscheidungshilfe – welcher Bildträger passt?
- Feine Lasuren, Detailarbeit → Acrylpapier 300–400 g/m² oder grundierte Malplatte.
- Spachtel & Struktur → MDF/Birke-Multiplex, kaschierte Leinwand.
- Transparenz/Leuchten → Yupo (nicht saugend) oder hell grundierte Platte.
- Experiment/Collage → Hartfaser/Malkarton.
- Naturlook mit Stoffcharakter → rohes Nessel oder Leinen mit Binder/Gesso nach Wunsch.
Mini-Checkliste: Von blank bis bildbereit (ca. 20 Minuten aktiv)
- Untergrund prüfen (eben, sauber, trocken).
- Entfetten & anschleifen (wo nötig).
- Kanten versiegeln (bei Holzwerkstoffen).
- 1. Gesso-Schicht, 10–15 min trocknen lassen.
- Leicht schleifen, 2. Gesso-Schicht.
- Teststrich setzen: Haftung ok? Saugverhalten angenehm? Malen!
Mehr Anleitungen und Tipps für Acrylbilder:
- Wischtechnik mit Acrylfarben
- Anleitung – Acrylbilder mit Quilling gestalten
- Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Airbrush
- Welche Staffelei für die Acrylmalerei?
- Acrylfarben – Studienqualität oder besser Künstlerqualität?
- Ein Acrylbild in Rakeltechnik
- Malen mit Knochenleim
Thema: Die verschiedenen Bildträger für die Acrylmalerei
Übersicht:
Fachartikel
Verzeichnis
Über uns
- Wie wasserfest ist Acrylfarbe? - 16. August 2025
- Lohnt es sich, Online-Malkurse anzubieten? - 16. Juli 2025
- Malen mit Marmormehl - 17. Juni 2025