Ausführliche Anleitung zum Acrylgießen, 1. Teil

Ausführliche Anleitung zum Acrylgießen, 1. Teil

Um ausdrucksstarke Acrylbilder zu malen, braucht es nicht unbedingt einen Pinsel. Denn mit dem Acrylgießen steht eine spannende Alternative zur Verfügung.

Acrylfarben lassen sich äußerst vielseitig einsetzen. So können sie so vermalt werden, wie sie aus der Tube oder Flasche kommen. Genauso lassen sie sich aber auch mit Wasser verdünnen oder mit Malmitteln pastenartig verdicken.

Um die Acrylfarben auf den Malgrund aufzubringen, können klassische Malwerkzeuge wie Pinsel, Malmesser und Malspachteln oder beliebige andere Gegenstände verwendet werden. Doch das ist noch längst nicht alles. Denn mit Acrylfarben lassen sich unzählige Techniken umsetzen. Eine dieser Techniken ist das Acrylgießen.

Das Acrylgießen wird auch als Fluidtechnik bezeichnet, denn die Acrylfarben werden mit Silikonöl vermischt und anschließend auf den Malgrund gegossen. Dadurch verlaufen die Farben und es entstehen ausdrucksstarke Muster und Farbverläufe. Kommt nun noch Wärme ins Spiel, lassen sich zellen- oder wabenartige Strukturen innerhalb der Muster kreieren.

Für diejenigen, die diese spannende Technik einmal ausprobieren möchten, haben wir eine mehrteilige, ausführliche Anleitung zum Acrylgießen vorbereitet.

Dabei geht es nun, im 1. Teil, um die benötigten Materialien.

 

Die Materialien fürs Acrylgießen in der Übersicht

  • Acrylfarben
  • Leinwand als Malgrund
  • Silikonöl
  • Floetrol
  • Lötlampe
  • Glanzfirnis
  • Einwegbecher und Rührwerkzeug, Handschuhe und Folie oder reichlich Zeitungspapier für den Arbeitsplatz

Beim Acrylgießen wird recht viel Acrylfarbe verbraucht. Deshalb sollte der Arbeitsplatz gut mit Folie oder Zeitungspapier abgedeckt sein. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich das Muster nicht nur auf der Leinwand, sondern auch auf dem Boden und dem Tisch wiederfindet.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Bilder eine sehr lange Trocknungszeit haben. Verantwortlich dafür sind die Additive, mit denen die Acrylfarben vermischt werden. Daher sollte sich der Hobby-Künstler schon im Vorfeld überlegen, wo er die Bilder lagern kann, bis sie trocken sind.

 

Die Acrylfarben

Die Fluidtechnik wird mit ganz normalen Acrylfarben aus der Tube oder Flasche umgesetzt. Damit das Gießen möglich wird und die charakteristischen Muster mit ihren typischen Zellstrukturen entstehen, kommen Silikonöl und Floetrol oder Wasser zum Einsatz.

Die Farbzusammenstellung für ein Bild bleibt natürlich dem eigenen Geschmack überlassen. Soll das Muster eher dezent und unauffällig werden oder möchte der Hobby-Künstler einen Hintergrund anlegen, kann er mehrere Abstufungen von einem Farbton verwenden.

Oder er kann Acrylfarben kombinieren, die sich recht ähnlich sind. Im Ergebnis entsteht ein Bild mit schwachen Kontrasten, bei dem ein genauer Blick notwendig ist, um die verschiedenen Nuancen und Farbverläufe zu erkennen.

Möchte der Hobby-Künstler hingegen, dass ein Muster mit starken Kontrasten, ausgeprägten Farbverläufen und ausdrucksstarken Zellstrukturen entsteht, sollte er entsprechend kotrastreiche Acrylfarben verwenden. Allerdings sollte er dann nicht zu viele verschiedene Farbtöne miteinander kombinieren.

Denn je mehr Farben er aufträgt, desto größer ist die Gefahr, dass die Farben so sehr ineinander verlaufen, dass sie dunkel und schmutzig wirken. In der Praxis hat es sich bewährt, es bei drei Farben zu belassen, nämlich einem hellen, einem dunklem und einem Farbton irgendwo dazwischen.

 

Das Silikonöl

Silikonöl ist in unterschiedlichen Viskositätsgraden erhältlich. Hier muss der Hobby-Künstler ein wenig herumprobieren, mit welchem Öl er am besten zurechtkommt und die Ergebnisse erzielt, die er sich vorstellt. Je höher die Viskosität ist, desto schwerer und zähflüssiger ist das Silikonöl.

Silikonöl mit einer Viskosität von 2000 beispielsweise hat eine Konsistenz, die an flüssigen Honig erinnert. Durch die hohe Viskosität fließen die Farben langsam über die Leinwand und lassen sich recht gut steuern. Wenn der Hobby-Künstler möchte, dass seine Bilder kaum Farbverläufe, scharfe Kanten und nur wenige, kleine Zellen aufweisen, ist er mit einem Silikonöl mit einer hohen Viskosität gut beraten.

Ein Silikonöl mit einer niedrigen Viskosität sorgt für die gegenteiligen Effekte. Da das Silikonöl dünnflüssiger ist, fließen auch die Acrylfarben viel schneller über die Leinwand und ineinander. Dadurch entstehen ausgeprägte Farbverläufe. Zudem kann der Hobby-Künstler viele und große Zellen gestalten. Allerdings kann er den Farbfluss nur bedingt kontrollieren. Das fertige Ergebnis wird deshalb weitgehend dem Zufall überlassen sein. Möchte der Hobby-Künstler noch experimenteller malen, kann er den Effekt zusätzlich verstärken, indem er die Leinwand mit Silikonspray einsprüht.

 

Das Floetrol

Floetrol ist ein Farbadditiv, das im Künstlerbedarf und im Internet erhältlich ist. Durch Floetrol nehmen die Acrylfarben die Optik und die Eigenschaften von Ölfarben an. Die Farben wirken schmieriger, fließen weich über die Leinwand und erhalten einen sanften Glanz. Außerdem verlängert sich die Trocknungszeit um ein Vielfaches.

Allerdings ist Floetrol recht teuer und der Verbrauch beim Acrylgießen ist ziemlich hoch. Möchte der Hobby-Künstler die Technik erst einmal ausprobieren, kann er das Floetrol zunächst aber ruhig weglassen. Stattdessen kann er die Acrylfarben einfach mit Wasser verdünnen. Wichtig dabei ist dann nur, nicht zu viel Wasser zu verwenden oder mit Acrylbinder gegenzusteuern, damit die Farben ihre Deckkraft nicht verlieren.

 

Die Lötlampe

Eine kleine Lötlampe ist ein ideales Hilfsmittel, um Farbzellen entstehen zu lassen. Dafür wird die Acrylfarbe auf die Leinwand gegossen und anschließend mithilfe der Lötlampe über die Leinwand verteilt. Dabei bilden sich Strukturen, die an Zellen, Waben, Blasen oder Schaum erinnern.

Wie viele Zellen entstehen und wie groß sie sind, hängt in erster Linie vom Silikonöl ab. Je niedriger die Viskosität ist, desto dünnflüssiger ist das Öl und desto ausgeprägter sind die Zellen. Hat der Hobby-Künstler keine Lötlampe zur Hand, erreicht er mit einem Haarföhn einen ähnlichen Effekt.

 

Der Firnis

Im feuchten Zustand beeindruckt das Acrylbild durch einen herrlichen Glanz und eine intensive Leuchtkraft. Doch nach dem Trocknen ist davon nur wenig übrig. Tatsächlich wirken die trockenen Farben oft nur noch matt und fahl. Um die ursprüngliche Optik wiederherzustellen, sollte der Hobby-Künstler einen glänzenden Firnis auf sein Bild auftragen. Dann kehren der Glanz und die Leuchtkraft zurück.

Beim Acrylgießen nimmt die Gestaltung des Bildes die wenigste Zeit in Anspruch. Es macht zwar großen Spaß, die Farben auf die Leinwand fließen zu lassen und zu beobachten, wie die Muster entstehen.

Doch schon nach ein paar Minuten ist ein Bild fertig. Mit Abstand am längsten dauert es, bis das Bild getrocknet ist. Das Anmischen der Farben braucht ebenfalls etwas Zeit. Und wie die Farben fürs Acrylgießen angemischt werden, erklären wir im 2. Teil.

Mehr Anleitungen, Tipps und Ratgeber:

Thema: Ausführliche Anleitung zum Acrylgießen, 1. Teil

Teilen:

Kommentar verfassen