Acrylfarben – Studienqualität oder besser Künstlerqualität?

Acrylfarben: Studienqualität oder doch besser Künstlerqualität?

Auch wenn Acrylfarben zu den recht jungen Malmitteln in der Malerei gehören, sind sie nun doch schon seit einigen Jahrzehnten auf dem Markt und haben in dieser Zeit auch einen echten Siegeszug hingelegt. So sind sie heute kaum noch wegzudenken und bei professionellen Künstlern ebenso beliebt wie bei Hobby-Malern.

Acrylfarben Studienqualität oder doch besser Künstlerqualität

Anders als seinerzeit Ölfarben, die die bis dahin üblichen Temperafarben weitgehend abgelöst haben, konnten Acrylfarben Ölfarben zwar nicht ersetzen.

Aber trotzdem haben Acrylfarben fast schon für eine kleine Revolution gesorgt und sind zur echten Konkurrenz von Ölfarben geworden.

Dies ist insofern ein wenig verwunderlich, als dass Acrylfarben der ersten Generationen in der Handhabung kaum einfacher waren als Ölfarben und auch die Qualität war durchaus noch verbesserungswürdig.

Dies hat sich mittlerweile aber deutlich geändert.

So ist es der konstanten Weiterentwicklung und der kontinuierlichen Optimierung der chemischen Grundstoffe zu verdanken, dass die heute gängigen Acrylfarben die Eigenschaften aufweisen, die ihnen ihre breite Akzeptanz und große Beliebtheit eingebracht hat. Dies ändert allerdings nichts daran, dass Acrylfarbe nicht gleich Acrylfarbe ist.

Die Herstellung von Acrylfarben basiert zwar auf einem bestimmten Grundprinzip und auch die verwendeten Grundstoffe sowie die Zusammensetzungen der Farben sind durchaus miteinander vergleichbar.

Trotzdem unterscheiden sich Acrylfarben mitunter deutlich, wenn es um ihre Handhabung, die Farbintensität, die Leuchtkraft oder die Haltbarkeit geht.

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Die Unterschiede zwischen Acrylfarben

Acrylfarben lassen sich in zwei große Gruppen einteilen, nämlich zum einen in Studienacrylfarben und zum anderen in Künstleracrylfarben. Als Acrylfarben in Künstlerqualität werden in aller Regel qualitativ hochwertige Farben bezeichnet, einige Hersteller vermarkten auch nur Farben der höchsten Qualitätskategorie als Künstleracrylfarben.

Acrylfarben in Studienqualität sind qualitativ etwas weiter unten angesiedelt und deshalb auch preisgünstiger, weisen aber dennoch eine gute Qualität auf.

Der größte Unterschied zwischen Studien- und Künstleracrylfarben besteht in dem Verhältnis zwischen den Farbpigmenten und den sogenannten Füllstoffen. Acrylfarben in Künstlerqualität enthalten in aller Regel einen deutlich höheren Anteil an Farbpigmenten.

Ein hoher Pigmentanteil wiederum verleiht der Farbe nicht nur einen intensiven, leuchtstarken und brillanten Farbton, sondern wirkt sich auch positiv auf die Deckkraft und das Farbvermögen aus.

Bei den kostengünstigeren Studienacrylfarben wird der geringere Pigmentanteil üblicherweise durch Füllstoffe ausgeglichen. Zudem werden bei Künstleracrylfarben meist hochwertigere Rohstoffe verwendet als bei Studienacrylfarben.

Dies wiederum führt dazu, dass Acrylfarben in Künstlerqualität in einem sehr breiten Farbspektrum erhältlich sind.

Die Auswahl an preisgünstigen Farbpigmenten hingegen ist begrenzt, was auch die Farbplatte bei Studienacrylfarben entsprechend reduziert. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die Kontrollmechanismen bei der Produktion von Künstleracrylfarben häufig umfangreicher und strenger sind.

Dies hat zur Folge, dass Acrylfarben in Künstlerqualität eine nahezu gleichbleibende Qualität aufweisen.

Wird eine Künstleracrylfarbe nach einiger Zeit nachgekauft, sollte praktisch kein Unterschied zu der vorher verwendeten, nun aufgebrauchten Farbe erkennbar sein. Bei sehr preisgünstigen Studienacrylfarben kann dies durchaus anders aussehen, vor allem wenn es sich nicht um die Farben von den großen und renommierten Herstellern handelt.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Acrylfarben in Künstlerqualität vielfach in hochwertigeren Tuben oder Flaschen verpackt sowie ausführlicher beschrieben und gekennzeichnet sind.

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Studien- oder doch besser Künstlerqualität?

Angesichts der teils doch deutlichen Unterschiede, stellt sich nun aber die Frage, ob der Hobby-Maler zu Studienacrylfarben greifen oder ob er sich nicht doch besser für Künstleracrylfarben entscheiden sollte.

Pauschal lässt es sich sicher kaum beantworten, für wen welche Farben am besten geeignet sind. Generell weisen auch Acrylfarben in Studienqualität eine durchaus gute Qualität auf.

Für Übungszwecke und die ersten Malversuche sollten sie deshalb völlig ausreichen. Wer hingegen viel und regelmäßig malt, wird langfristig vermutlich eher zu den hochwertigeren Künstleracrylfarben greifen, einfach weil die Farben intensiver leuchten, besser decken und länger haltbar sind.

Andererseits spricht überhaupt nichts dagegen, beide Farbvarianten miteinander zu kombinieren.

So können beispielsweise bei großformatigen Bildern große Farbflächen mit Studienacrylfarben angelegt werden, während die Ausarbeitung dann immer noch mit den hochwertigeren, aber eben auch teureren Künstleracrylfarben erfolgen kann.

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Außerdem ist der persönliche Geschmack des Malers ein Kriterium, das nicht unterschätzt werden sollte.

Arbeit einen Maler schon seit Jahren mit den Studienacrylfarben eines Herstellers, weiß er diese Farben gekonnt einzusetzen und ist er mit der Qualität zufrieden, gibt es überhaupt keinen Grund, weshalb er zu Farben in Künstlerqualität wechseln sollte.

Natürlich spricht nichts dagegen, verschiedene Farben unterschiedlicher Hersteller auszuprobieren, aber wer seine Farben gefunden hat, kann ruhigen Gewissens dabei bleiben, unabhängig davon, um welche Art von Farben es sich handelt oder wer der Hersteller ist.

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Mehr als „viel oder wenig Pigment“: Lichtechtheit & Pigmentcodes verstehen

Ob ein Bild in zehn Jahren noch so leuchtet wie heute, entscheidet die Lichtechtheit. Achte auf die Angabe (z. B. „sehr gut“/Klasse I) und auf den Pigmentcode wie PB29 (Ultramarinblau) oder PR122 (Quinacridon-Magenta).

  • Einpigmentfarben (Single Pigment) mischen sauberer und reproduzierbarer.
  • „Hue“ auf dem Label heißt: Nachmischung eines teuren Pigments (z. B. „Cadmium Red Hue“) – kann gut sein, verhält sich aber oft anders als das Original.

Deckkraft, Transparenz & Mischverhalten

Transparente Pigmente erzeugen brillante Lasuren, opake Pigmente decken großartig und sparen Zeit bei Flächen.

Entscheidend ist auch die Tinting-Strength (Färbekraft):

Starke Pigmente „dominieren“ Mischungen – ideal für satte Töne, weniger ideal, wenn du Pastelle planst.

Tipp: Für leuchtstarke Mischungen lieber wenige, hochwertige Einpigmentfarben als viele günstige „Allrounder“ – das reduziert das Risiko stumpfer, „schlammiger“ Töne.

Konsistenz: Heavy Body, Soft Body, Fluid – was passt zu dir?

  • Heavy Body (hochviskos): Spürbarer Kantenstand, ideal für Spachtel und Impasto.
  • Soft Body: Cremiger Auftrag, glattere Pinselspuren.
  • Fluid/High-Flow: Dünnflüssig, perfekt für Lasuren, Kalligrafie, Airbrush, Pouring.

Dein Stil entscheidet: Liebst du Textur, greif öfter zu Heavy Body in Künstlerqualität. Für Untergründe, Vorzeichnungen und Lasuren reicht häufig Studienqualität in Soft/Fluid.

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Trocknungszeit, Farbverschiebung & Schichtaufbau

Acryl bindet milchig ab – beim Trocknen wirken Farben einen Tick dunkler/matter. Hochwertige Bindemittel minimieren diesen Effekt.

Für stabile Bilder:

  • Dünn nach dick schichten (von mager zu „fetter“ Mischung mit mehr Medium).
  • Jede Schicht durchtrocknen lassen, bevor die nächste kommt.
  • Auf glatten, nicht saugenden Untergründen Haftung mit Gesso verbessern.

Untergründe & Grundierung (Gesso, Saugfähigkeit)

Leinwand, Holzpanel, Papier – alles möglich. Acryl-Gesso sorgt für Zahn und gleichmäßige Saugfähigkeit.

  • Stark saugend = schnellere Trocknung, matte Anmutung.
  • Weniger saugend = längere Offenzeit, sattere Farbtiefe.

Experimentiere mit 1–3 Gesso-Schichten: Du wirst sofort sehen, wie stark sich Haptik und Leuchtkraft verändern.

Medien & Additive: So steuerst du die Farbe

  • Glanz-/Matt-Medien: regulieren Oberflächenglanz und Transparenz.
  • Gel-Medien / Modellierpasten: mehr Körper, Struktur, Spachtelspaß – ohne Pigment zu „verwässern“.
  • Retarder: verlängert Offenzeit für nahtlose Verläufe.
  • Pouring-Medium: für gleichmäßige Verläufe und Zelldynamik beim Gießen.
    Merke: Mit Medium statt mit Wasser verdünnen, wenn Leuchtkraft und Bindung erhalten bleiben sollen.

Archivfestigkeit & Schutz (Isolation Coat, Firnis)

Für ein dauerhaft homogenes Finish:

  1. Isolation Coat (dünnes, klares Acrylmedium) auf das durchgetrocknete Bild.
  2. Abschließender Firnis (glänzend, seidenmatt oder matt), idealerweise abnehmbar.

So lässt sich Schmutz später reinigen, ohne die Malschicht anzutasten.

Smart investieren: Wo Künstlerqualität lohnt – und wo Studienqualität reicht

Künstlerqualität zahlt sich besonders aus bei:

  • Teuren, hochchroma Pigmenten (Quinacridon-Magenta, Phthaloblau/-grün, Kadmium- und Kobalttöne).
  • Lasurpassagen, wo Transparenz und Reinheit zählen.
  • Feinabstimmungen im letzten Drittel des Bildes.
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Studienqualität ist oft völlig ausreichend für:

  • Untermalungen, große Hintergrundflächen, Erdpigmente (Ocker, Umbra), neutrale Grautöne.
  • Experimente/Skizzen, bei denen es um Idee statt Endfinish geht.

Kombination, die Geld spart und Qualität liefert: Flächen in Studienqualität anlegen, Akzente/Glazes in Künstlerqualität setzen.

Kauf- & Label-Checkliste (kurz & knackig)

  • Pigmentcode vorhanden? (z. B. PB29, PR101)
  • Lichtechtheit ausgewiesen und hoch?
  • Deckkraftsymbol (opaq/halbtransparent/transparent) klar erkennbar?
  • Konsistenz passend zum Einsatz (Heavy/Soft/Fluid)?
  • „Hue“ = Nachmischung; kann sinnvoll sein, verhält sich aber anders.
  • Sicherheits-/Entsorgungshinweise vorhanden (Cadmium, Kobalt)?

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10-Minuten-Praxis-Tests für zuhause

  1. Masstone/Undertone-Streifen: Dichten Farbauftrag + dünne Lasur nebeneinander – zeigt Deckkraft & Farbtiefe.
  2. Weiß-Zugabe (Titanweiß): Wie stabil bleibt der Farbton? Bleibt er frisch oder kippt er „grau“?
  3. Glanztest: Getrocknete Proben schräg gegen das Licht halten – unruhiger Glanz = unterschiedliche Bindemittel/Pasten.
  4. Kratzerprobe: Leicht mit Fingernagel an einer Testkarte – zeigt mechanische Festigkeit.

Umwelt & Gesundheit – kleine Gewohnheiten, große Wirkung

  • Pinselwasser nicht in den Ausguss: Schlamm absetzen lassen, Klarwasser oben abgießen, Rest fachgerecht entsorgen.
  • Schwermetall-Töne (z. B. Cadmium) getrennt sammeln, Handschuhe nutzen.
  • Lüften bei großen Flächen/Pourings.
  • Werkstatt-Hygiene: Lappen/Papiere separat sammeln und entsorgen.

Mini-Leitfaden: Deine Farbpalette mit Sinn

  • Primär-Dreiklang (Einpigment): Quinacridon-Magenta (PR122), Phthaloblau (PB15:3), Hansa-Gelb mittel (PY74/73) → maximales Mischspektrum.
  • Ergänzungen: Ultramarin (PB29) für warme Violetts, Burnt Sienna (PR101/ PBr7) für neutrale Abtönungen, Titanweiß (PW6) für Deckkraft.
  • Optional opak: Kadmiumpalette (falls du sie magst) für satte, deckende Akzente.

So baust du dir eine Palette, die sparsam, lernfreundlich und unglaublich vielseitig ist.

Fazit

Du brauchst nicht alles in Künstlerqualität. Entscheidend ist, wo du in Qualität investierst: bei hochchroma Tönen, Lasuren und finalen Akzenten.

Für Untermalung, Erdfarben und große Flächen genügt oft Studienqualität – und dein Budget bleibt spielbar. Klingt fair? Dann probier die 10-Minuten-Tests aus – du wirst den Unterschied sehen.

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Hier schreiben die beiden Künstler und Maler RZA & Feryal (Christian Gülcan & Ferya Gülcan). Beide Baujahr 1974, mit teilweise unterschiedlichen Einstieg (Grafitti, Zeichnen & Design) in die Acrylmalerei. Wir sind Markeninhaber der Kunstschmiede kooZal und malen hauptsächlich moderne und abstrakte Acrylbilder im Großformat, malen aber auch mit Ölfarben, lieben Druck- & Schablonentechniken und zeichnen viel. Unser eigenes Studio bzw. Atelier befindet sich in Bremen.

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