Die wichtigsten Kaufkriterien bei Acrylfarben, Teil II

Die wichtigsten Kaufkriterien bei Acrylfarben, Teil II

Wer Acrylbilder malen möchte, braucht neben einem Malgrund wie einer Leinwand und Pinseln natürlich auch Acrylfarben. Doch eine Wahl zu treffen, ist mitunter gar nicht so einfach. Dass es Acrylfarben von verschiedenen Herstellern und in den unterschiedlichsten Farbtönen gibt, kann zwar die Entscheidung etwas schwieriger machen, wäre aber noch kein Problem. Die Herausforderung besteht eher darin, die teils verwirrenden Bezeichnungen richtig einzuordnen.

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Die wichtigsten Kaufkriterien bei Acrylfarben, Teil II

Damit es leichter wird, sich einen Überblick zu verschaffen, erklären wir die wichtigsten Begriffe und Kaufkriterien für Acrylfarben. Dabei haben wir in Teil I mit grundsätzlichen Infos über die Farben begonnen.

Außerdem haben wir erläutert, was es mit der Studio- und der Künstlerqualität, der Farbechtheit und der Deckkraft auf sich hat.

Hier ist Teil II!:

Die Viskosität

Die Viskosität beschreibt die Konsistenz einer Farbe. Acrylfarben sind in verschiedenen Viskositäten erhältlich und ermöglichen dadurch, unterschiedliche Maltechniken umzusetzen.

Eine Acrylfarbe mit niedriger Viskosität eignet sich sehr gut, um feine und ebene Strukturen anzulegen. Außerdem kann sie für flache Texturen verwendet werden. Sie lässt sich geschmeidig verstreichen und liegt flach auf dem Malgrund auf.

Gewissermaßen das Gegenstück dazu ist eine Acrylfarbe mit hoher Viskosität. Als dickflüssige Farbe zeichnet sie sich durch ihre Griffigkeit aus. Für rauere Strukturen, pastöse Farbschichten und Spachteltechniken ist eine Acrylfarbe mit hoher Viskosität die richtige Wahl.

Je nach Hersteller finden sich auf den Acrylfarben unterschiedliche Bezeichnungen für die Viskosität. Soft Body, Fluid oder Liquid steht für dünnflüssige Farben, während Heavy Body Acrylfarben dickflüssig sind.

Die Viskosität sagt nichts über die Qualität einer Acrylfarbe aus. Sind die Farben vom gleichen Hersteller, ist die Menge an enthaltenen Farbpigmenten identisch. Der Unterschied ergibt sich aus dem verwendeten Bindemittel, das die Farben weicher oder fester macht.

Je dickflüssiger Acrylfarben sind, desto mehr ähneln sie Ölfarben. Nach dem Trocknen bleibt eine deutlich strukturierte Oberfläche mit sichtbaren Pinselstrichen zurück. Je dünnflüssiger Acrylfarben sind, desto eher sind sie mit Gouache- oder Aquarellfarben vergleichbar.

Sie lassen sich gut verteilen und bilden nach dem Trocknen eine glatte Textur, bei der die einzelnen Pinselstriche kaum oder gar nicht zu sehen sind.

Letztlich ist es eine Frage des Geschmacks, wofür sich der Künstler entscheidet. Die Konsistenz und Eigenschaften beim Malen, die die meisten mit normalen, typischen Acrylfarben verbinden, sind bei Farben mit einer geringen bis mittleren Viskosität gegeben.

Es ist aber nicht notwendig, Acrylfarben in unterschiedlichen Flüssigkeitsgraden zu kaufen. Je nachdem, welche Technik der Künstler umsetzen möchte, kann er die Farben nämlich mit entsprechenden Acrylmedien so verdicken oder verdünnen, wie er es braucht.

Außerdem kann er die Farben in Maßen auch einfach nur mit Wasser mischen, um sie dünnflüssiger einzustellen.

Die Lichtechtheit

Die Lichtechtheit wird auch als Lichtbeständigkeit oder Permanenz bezeichnet. Sie beschreibt, wie schnell sich die Oberflächenbeschaffenheit einer Farbe verändert, wenn sie dem Licht ausgesetzt ist.

Dabei geht es in erster Linie darum, wie lange die Farb- und Leuchtkraft erhalten bleibt oder andersherum wie schnell sie verblasst, wenn UV-Licht auf die Farbe fällt.

Verantwortlich für die Lichtechtheit sind die Farbpigmente und die Bindemittel. Einige Pigmente verblassen auf natürliche Weise, während andere Pigmente weit weniger zum Verblassen neigen. Pigmente, die eher zum Verblassen neigen, werden auch als flüchtige Farben bezeichnet.

Neben den Farbpigmenten reagieren auch die Bindemittel und eventuelle Zusatzstoffe unterschiedlich auf die Lichtbestrahlung. Grundsätzlich gilt deshalb, dass eine Acrylfarbe umso lichtechter ist, je hochwertiger ihre Bestandteile sind.

Insgesamt sind Acrylfarben aber beständiger als Öl- oder Aquarellfarben. Deshalb haben Acrylbilder im Allgemeinen eine recht lange Lebensdauer. Außerdem sollte kein Bild so aufgehängt werden, dass es permanent dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt ist.

Je besser eine Acrylfarbe den Einflüssen des Lichts standhält, desto höher ist ihre Lichtechtheit. Auf den Farbtuben geben die meisten Hersteller den Grad durch eine Skala mit bis zu fünf Sternen an.

Ein Stern bedeutet, dass die Farbe nur gering lichtbeständig ist, während fünf Sterne eine höchst lichtechte Farbe kennzeichnen. Finden sich auf der Tube keinerlei Angaben zur Lichtbeständigkeit, ist die Farbe meist nicht lichtecht.

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Der Pigment-Index

Jedes Farbpigment hat eine Nummer. Auch bekannt als Farbindexname, besagt die Pigment-Nummer, welche Farbpigmente für die jeweilige Farbe verwendet wurden. Manche Farben enthalten nur ein Farbpigment, zum Beispiel PB29 für Ultramarinblau.

Andere Farben hingegen kombinieren Farbpigmente miteinander, beispielsweise PW6 PB29 für Kobaltblau. Die Buchstaben bezeichnen die Farbfamilie, die Zahlen dahinter das jeweilige Pigment. Bei PW4 etwa steht PW für Weiß und die 4 für Zinkoxid, besser bekannt als Titanweiß.

Die Hersteller von Acrylfarben verwenden zum Teil eigene Namen für ihre Farbtöne, teilweise haben Farben mit dem gleichen Namen aber auch unterschiedliche Rezepturen. Hilfreich kann deshalb sein, die Indexnummern zu vergleichen, die auf den Farbtuben angegeben sind.

Finden sich auf zwei Farben identische Indexnummern, kann der Künstler davon ausgehen, dass der Farbton sehr ähnlich ist.

Allerdings klappt es nicht immer, anhand der Indexzahlen vorzugehen. Denn zum einen sind die Nummern nicht auf allen Acrylfarben aufgeführt. Und zum anderen kann es bei der Verarbeitung der Farbpigmente zu minimalen Abweichungen kommen.

Faktoren wie die Herkunft, die Temperatur, der pH-Wert oder der relative Anteil können zur Folge haben, dass der Farbton leicht abweicht. Obwohl die Indexnummern bei zwei Acrylfarben übereinstimmen, müssen die Farbtöne also nicht zwangsläufig identisch sein.

Andererseits ist die Kunst keine Wissenschaft, bei der es auf absolute Präzision ankommt. Deshalb wird es wohl nur in äußersten seltenen Fällen notwendig sein, dass der Künstler zwei absolut identische Farbtöne braucht.

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Hier schreiben die beiden Künstler und Maler RZA & Feryal (Christian Gülcan & Ferya Gülcan). Beide Baujahr 1974, mit teilweise unterschiedlichen Einstieg (Grafitti, Zeichnen & Design) in die Acrylmalerei. Wir sind Markeninhaber der Kunstschmiede kooZal und malen hauptsächlich moderne und abstrakte Acrylbilder im Großformat, malen aber auch mit Ölfarben, lieben Druck- & Schablonentechniken und zeichnen viel. Unser eigenes Studio bzw. Atelier befindet sich in Bremen.

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