Was ist der Neo-Expressionismus? 1. Teil

Was ist der Neo-Expressionismus? 1. Teil

Eine ausdrucksstarke Pinselführung mit deutlichen Strukturen, intensive Farben mit lebhaften Kontrasten, figurative Formen, Bilder in großen Formaten – all das sind Merkmale, die Werke des Neo-Expressionismus auszeichnen. Die Stilrichtung belebte den Expressionismus wieder und schlägt gleichzeitig eine Brücke zwischen der Moderne und der Postmoderne.

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Was ist der Neo-Expressionismus 1. Teil

Wir stellen den Neo-Expressionismus vor!:

Was ist der Neo-Expressionismus?

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam der Expressionismus auf. Im Zeitraum zwischen etwa 1905 bis 1925 verstand er sich als künstlerische Reaktion auf die sozialen Missstände, die die Industrialisierung und das Wachstum der Städte mit sich brachten.

Expressionistische Künstler verzerrten Formen und Farben, um durch die veränderte Wahrnehmung Emotionen beim Betrachter zu wecken.

Dieser Grundgedanke des Expressionismus ließ die Kunstgattung in den 1970er- und 80er-Jahren neu aufleben. Dieses Mal war es die Antwort auf den Minimalismus und die Konzeptkunst, die die Malerei zuvor dominiert hatten.

Die Künstler des Neo-Expressionismus besannen sich wieder auf emotionale Inhalte, die sie durch eine instinktive Pinselführung, kräftige Farben und verzerrte Formen zum Ausdruck brachten.

Der Minimalismus, im Englischen auch als Minimal-Art bezeichnet, entstand in den 1950er- und 60er-Jahren in den USA als Gegenbewegung zur abstrakten Malerei.

Die Kunstwerke zeigten einfachste geometrische Grundformen wie ein Dreieck oder ein Viereck. Einfachheit, Objektivität und Entpersonalisierung waren die maßgeblichen Ansätze.

Die Konzeptkunst ging aus dem Minimalismus hervor. In den 1960er-Jahren maßgeblich von den US-Künstlern Henry Flynt und Sol LeWitt geprägt, mussten die Arbeiten der Konzeptkunst nicht unbedingt vom Künstler selbst erschaffen sein.

Die Kunstbewegung stellt nicht das Werk als solches in den Mittelpunkt, sondern vielmehr die Idee und das Konzept dahinter. Deshalb handelt es sich bei Arbeiten der Konzeptkunst oft um zum Beispiel Anleitungen und andere Schriftstücke oder Skizzen.

Nach dieser reduzierten Form von Kunst kehrte der Neo-Expressionismus zu starkem und emotionalem Ausdruck zurück. Die Vorsilbe „Neo“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „neu“ oder „erneuert“. So bunt und schrill wie der Zeitgeist der 70er- und 80er-Jahre war, wurden auch die Werke des Neo-Expressionismus.

Die Künstler im deutschsprachigen Raum grenzten sich klar von der starren Kunstszene mit ihren strengen Regeln ab und fanden stattdessen in der Anarchie- und Punkszene Verbündete.

Die Gruppierung der „Jungen Wilden“ bildete sich und machte politische und gesellschaftliche Umbrüche zu einem zentralen Thema ihrer Bilder. Der Name „Junge Wilde“ ist an die Vertreter des Fauvismus angelehnt.

Der Fauvismus hatte als Kunstrichtung seine Blütezeit um die Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts in Frankreich und kennzeichnet sich unter anderem dadurch, dass die Farben direkt aus den Tuben auf die Leinwand gebracht werden.

Welche Merkmale zeichnen den Neo-Expressionismus aus?

Der Neo-Expressionismus bezeichnet keine formale Kunstbewegung, sondern steht für das Wiedererwachen des expressionistischen Ausdrucks. Außerdem gab es länderspezifische Strömungen. Deshalb umfasst der Neo-Expressionismus sehr vielfältige Stile.

Grundsätzlich machen aber folgende Merkmale die Kunstwerke aus:

  • Farbaufträge mit starken Strukturen

  • kräftige Farben mit lebhaften Kontrasten

  • figürliche Darstellungen und Abbildung von Objekten

  • intensive und ausdrucksvolle Subjektivität

  • großformatige Bilder

Der Neo-Expressionismus greift Geschichten, Mythen und Legenden oder Volkslieder auf und übersetzt den Symbolismus und den Primitivismus in Bilder. Er verzerrt archetypische Figuren und stellt sie in verschiedenen Abstraktionsgraden dar.

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Beim Symbolismus geht es darum, Motive zu verwenden, die eine versteckte Bedeutung haben. So kann zum Beispiel ein kahler Baum für den Tod stehen, während ein blühender Baum das Leben symbolisiert.

Der Primitivismus orientiert sich an der Kunst früherer, primitiver Kulturen und stellt die Motive in vereinfachter Form dar.

Die Archetypen umfassen allgemeine, ursprüngliche Bilder und Figuren, die mit bestimmten Emotionen, Eigenschaften oder Lebenszielen verknüpft sind.

Das Konzept der Archetypen geht auf den Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung zurück. In den 1930er-Jahren definierte er zwölf Archetypen, nämlich den Unschuldigen, den Weisen, den Entdecker, den Rebell, den Zauberer, den Helden, den Liebenden, den Narr, den Jedermann, den Betreuer, den Herrscher und den Schöpfer.

Die Künstler des Neo-Expressionismus sind in erster Linie für ihre Malerei bekannt.

Doch neben Farben brachten sie auch andere Materialien wie zum Beispiel Sand, Stroh, Holz oder Keramik auf die Leinwände auf. Das Ergebnis waren Gemälde, die mitunter an skulpturale Werke erinnern.

Wie bedeutsam ist der Neo-Expressionismus?

Die Künstler des Neo-Expressionismus malten wieder Motive mit einer persönlichen, archetypischen oder historischen Bedeutung. Einige Kritiker bemängelten deshalb, der Neo-Expressionismus wäre nostalgisch und kommerziell.

In der breiten Masse hingegen stieß die Kunstrichtung auf Zustimmung. Sie erfreute sich durchaus Beliebtheit und gewann an Einfluss.

Heute werten einige Kunsthistoriker den Neo-Expressionismus als eine bedeutsame Brücke zwischen der Moderne und der Postmoderne. Die Moderne steht als Oberbegriff für Kunstwerke aus der Zeit zwischen etwa 1880 und 1920.

Der Begriff beschreibt demnach keine eigenständige Epoche, sondern bündelt die Stilrichtungen in dem Zeitraum. Die Postmoderne wiederum wird für die Strömungen der zeitgenössischen Kunst ab ungefähr 1970 verwendet.

Ihr prägendes Merkmal besteht darin, dass sie Ästhetik im klassischen Sinne ablehnt und sich dem widersetzt, was gemeinhin als schöne Kunst empfunden wird.

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Hier schreiben die beiden Künstler und Maler RZA & Feryal (Christian Gülcan & Ferya Gülcan). Beide Baujahr 1974, mit teilweise unterschiedlichen Einstieg (Grafitti, Zeichnen & Design) in die Acrylmalerei. Wir sind Markeninhaber der Kunstschmiede kooZal und malen hauptsächlich moderne und abstrakte Acrylbilder im Großformat, malen aber auch mit Ölfarben, lieben Druck- & Schablonentechniken und zeichnen viel. Unser eigenes Studio bzw. Atelier befindet sich in Bremen.

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