Ausführliche Anleitung zum Acrylgießen, 2. Teil

Ausführliche Anleitung zum Acrylgießen, 2. Teil

Ausdrucksstarke Farben, markante Farbverläufe und zellartige Muster: Wer abstrakte Bilder mag und gerne experimentiert, kann mit dem Acrylgießen eine spannende Technik für sich entdecken.

Das Acrylgießen ist auch als Fluidtechnik bekannt. Dahinter verbirgt sich eine experimentelle Maltechnik, die ausdrucksstarke Bilder entstehen lässt.

Dabei beschreiben die Namen schon sehr gut, wie diese Maltechnik funktioniert. Zunächst werden die Acrylfarben nämlich mit Silikonöl und Floetrol oder Wasser vermischt, um ihnen eine flüssige Konsistenz zu geben. Anschließend werden die Acrylfarben auf die Leinwand gegossen, wo sie verlaufen und Farbverläufe und Muster bilden. Gezielt eingesetzte Wärme bewirkt, dass zellenartige Strukturen innerhalb der Muster entstehen.

Das Acrylgießen ist leicht umzusetzen und das Experimentieren mit den bunten, kräftigen Farben macht viel Spaß. Für diejenigen, die es ausprobieren möchten, haben wir eine ausführliche Anleitung zum Acrylgießen zusammengestellt. Dabei ging es im 1. Teil der kleinen Beitragsreihe um die Materialien, die für die Fluidtechnik benötigt werden.

Jetzt, im 2. Teil, kümmern wir uns um die
praktische Umsetzung der Maltechnik:

 

Die Farben fürs Acrylgießen anmischen

Bevor sich der Hobby-Künstler an die Arbeit macht, sollte er seinen Arbeitsplatz sorgfältig mit Folie, Malervlies oder Zeitungspapier abdecken. Denn beim Acrylgießen wird mit viel flüssiger Farbe gearbeitet.

Damit nicht der gesamte Bereich einem bunten Schlachtfeld gleicht und nach dem Malen stundenlanges Putzen ansteht, ist es wirklich ratsam, den Arbeitsplatz gut zu schützen. Außerdem sollte der Hobby-Künstler unbedingt Handschuhe anziehen.

Dann werden die Farben angemischt. Ein festes Rezept gibt es hierbei nicht. Das Acrylgießen ist eine experimentelle Maltechnik und es wird viel nach Gefühl gearbeitet. Außerdem hängt das Mischungsverhältnis immer auch von den verwendeten Acrylfarben und der Viskosität des Silikonöls ab. Der Hobby-Künstler muss also ein wenig herumprobieren.

Dabei kann er sich aber an folgendem Rezept orientieren:

  • Zuerst wird eine Acrylfarbe in einen Einwegbecher oder ein ähnliches Gefäß gefüllt.
  • Dann wird die gleiche Menge an Floetrol in den Becher gegeben. Wenn der Hobby-Künstler anstelle von Floetrol Wasser verwendet, fügt er etwas weniger Wasser hinzu. Generell sollten die Farben für das Bild zu rund 50 Prozent aus Acrylfarbe bestehen, damit nicht zuviel Deckkraft verloren geht.
  • Nun werden die Acrylfarbe und das Floetrol oder Wasser gründlich durchgerührt. Die Farbe hat die richtige Konsistenz, wenn sie ungefähr so flüssig ist wie Schlagsahne. Ist sie dickflüssiger, kann ein kleiner Schluck Wasser hinzugefügt werden.
  • Als nächstes werden zwei, drei Spritzer Silikonöl in die Farbe gegeben und wieder gut eingerührt.

Auf diese Weise werden alle Farben für das Bild angemischt.

Die Acrylfarben auf die Leinwand fließen lassen

Sind die Farben vorbereitet und liegt die Leinwand bereit, kann es losgehen. Dafür nimmt der Hobby-Künstler den ersten Farbbecher und gießt die Farbe auf die Leinwand. Anschließend nimmt er den zweiten Farbbecher und verteilt die Farbe ebenfalls auf der Leinwand.

Auf diese Weise trägt er nach und nach alle seine Farben auf. Da die Acrylfarben sehr flüssig sind, beginnen sie, zu verlaufen, sich auf der Leinwand zu verteilen und ineinander zu fließen. Dadurch entstehen die schönen Muster. Der Hobby-Künstler kann beobachten, was passiert.

Möchte er nachhelfen, kann er die Leinwand aber auch anheben und leicht zu den Seiten hin kippen. Durch die Bewegung kann er etwas steuern, wie die Farben ineinanderverlaufen.

Sehr schöne Effekte entstehen aber auch, wenn der Hobby-Künstler wie folgt vorgeht:

  • Zuerst füllt er einen Einwegbecher gut zu einem Drittel mit weißer Acrylfarbe.
  • Dann gießt er weitere Farben in kleinen Mengen in den Becher. Die Farben werden dabei aber nicht umgerührt, sondern einfach nur nach- und übereinander in den Becher getropft.
  • Anschließend setzt er den Becher mittig auf die Leinwand. Hat die Leinwand ein handliches Format, kann der Hobby-Künstler die Leinwand einfach auf den Becher legen und das Ganze schnell umdrehen. Bei einer großen Leinwand kann er ein Stück Karton nehmen, den Becher damit abdecken und den Karton schnell unter dem Becher herausziehen, wenn der Becher auf der Leinwand steht.
  • Nun nimmt der Hobby-Künstler Acrylfarbe in Weiß und gießt sie großzügig um den Einwegbecher herum.
  • Durch die weiße Acrylfarbe beginnt der Becher von alleine, auf der Leinwand zu schwimmen. Dabei zieht er eine Farbspur hinter sich her. Der Hobby-Künstler kann nachhelfen, indem er den Becher festhält und die Leinwand bewegt. Eine andere Möglichkeit ist, dass der Hobby-Künstler den Becher ganz leicht anhebt und über die Leinwand zieht.

Um das Muster noch weiter zu verteilen, kann der Hobby-Künstler den Becher wegnehmen und die Leinwand hin- und herbewegen.

Zellartige Muster gestalten

Allein durch die Farbverläufe und die Zufallsmuster sehen Bilder, die in der Gießtechnik gestaltet wurden, schon toll aus. Noch schöner wird es aber, wenn innerhalb der Muster zellartige, blasenähnliche Strukturen entstehen. Um das zu erreichen, gibt es mehrere Möglichkeiten.

So kann der Hobby-Künstler die Farben zunächst auf die Leinwand gießen. Anschließend nimmt er eine Lötlampe und verteilt damit die Farben auf der Leinwand. Ein ähnlicher Effekt lässt sich erzielen, wenn der Hobby-Künstler anstelle der Lötlampe einen Haarfön verwendet.

Es geht aber noch viel einfacher. Dafür gießt der Hobby-Künstler die Acrylfarben auf die Leinwand. Dann nimmt er herkömmliches Küchenpapier. Mit einem Stück Küchenpapier wischt er nun in einer Bewegung einmal über die Leinwand. Dann nimmt er das nächste Stück Küchenpapier und wischt damit wieder über die Leinwand.

Durch das Wischen verbinden sich die Farben zuerst und im nächsten Moment kommen die Farbzellen zum Vorschein. Die Anzahl und die Größe der Farbzellen hängen vom Silikonöl ab. Je niedriger die Viskosität des Silikonöls ist, desto markanter werden die Zellen.

 

Das Bild trocknen lassen und den Firnis auftragen

Das fertige Bild muss nun trocken. Und das dauert für ein Acrylbild ungewöhnlich lange. So muss sich der Hobby-Künstler gleich mehrere Tage gedulden. Zu Beginn ist das Bild sehr nass und mit einer dicken Schicht flüssiger Farbe bedeckt, die wunderbar glänzt. Beim Trocknen verlieren die Farben ihren Glanz. Durch die matten Stellen, die nach und nach entstehen, ist gut zu erkennen, wo das Bild schon trocken ist und wo noch nicht.

Sind die Acrylfarben trocken, sollte der Hobby-Künstler sicherheitshalber noch einen weiteren Tag abwarten. Dann kann er sein Bild mit einem Glanzfirnis überziehen. Durch den Firnis strahlen die Acrylfarben wieder und der tolle Glanz kehrt zurück. Ist auch der Firnis trocken, ist das Kunstwerk fertig!

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Veröffentlicht von

RZA & Feryal

Hier schreiben die beiden Künstler und Maler RZA & Feryal. Beide Baujahr 1974, mit teilweise unterschiedlichen Einstieg (Grafitti, Zeichnen & Design) in die Acrylmalerei. Wir sind Markeninhaber der Kunstschmiede kooZal und malen hauptsächlich moderne und abstrakte Acrylbilder im Großformat. Unser eigenes Studio bzw. Atelier befindet sich in Bremen.

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