Der Surrealismus als Kunstrichtung, 1. Teil

Der Surrealismus als Kunstrichtung, 1. Teil

Der Surrealismus ist eine Kunstrichtung, die in der modernen Kunst eine wichtige Rolle gespielt hat und noch immer spielt. Große Namen wie Salvador Dali, Max Ernst, Joan Miro und auch Pablo Picasso sind namhafte Vertreter. In einem zweiteiligen Beitrag schauen wir uns den Surrealismus als Kunstrichtung einmal genauer an.

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Der Surrealismus als Kunstrichtung, 1. Teil

Für welchen Kunststil steht der Surrealismus?

Der Surrealismus verstand sich von Anfang an weniger als eine typische Stilrichtung der Bildenden Kunst, sondern in erster Linie als eine Geisteshaltung und eine gesamtgesellschaftliche Bewegung.

Aus diesem Grund können neben Bildern auch Literatur, Filme, Musik und andere Medien surrealistisch sein. Und bis heute gibt es Künstler, die sich in diese Kunstrichtung einordnen.

Die Surrealisten verstanden sind als Teil einer Bewegung, die sich gegen traditionelle Normen stellte. Dabei verwendeten sie zum Teil psychoanalytische Konzepte. Die Psychoanalyse wurde von Sigmund Freud begründet und rückt als Denkrichtung der Psychologie Dinge wie Träume, das Unbewusste und den Rausch in den Mittelpunkt.

Surrealistische Kunst ist davon angeregt. Sie will Werke schaffen, die über dem stehen, was realistisch ist.

Deshalb greift sie als Themen den Traum, das Unbewusste und das Unterbewusste auf. Im Ergebnis scheinen surrealistische Bilder oft eine Fantasiewelt darzustellen und wirken gerne auch provokativ.

Was kennzeichnet den Surrealismus?

Der Name der Kunstrichtung geht auf den französischen Schriftsteller und Dichter Guillaume Apollinaire zurück. Er kreierte das völlig neue Wort, das es bis dorthin nicht gegeben hatte.

Der Dichter war selbst ein wichtiger Vertreter der surrealistischen Literatur und verfasste unter anderem Theaterstücke in dieser Richtung. Er war der Ansicht, dass die Bewegung ein Wort als Namen brauchte, das frisch und unbelastet war.

Die Wurzeln der surrealistischen Bewegung gehen allerdings weiter zurück. Sie fand vor allem in der Literatur ihren Ausdruck, angeführt vom Schriftsteller Andre Breton. Er fand sehr schnell Gefallen an dem Wort und so war der Name der Bewegung geboren.

In der modernen Kunst war und ist der Surrealismus sehr bedeutsam. Sein Einfluss reicht bis ins moderne Design hinein. Eine Rolle für den Erfolg spielte aber sicher auch, dass sich viele namhafte Künstler mit dem Surrealismus auseinandersetzten.

Ähnlich wie beim Expressionismus gibt es auch im Surrealismus keine Merkmale, Formen oder Farben, die die Kunstrichtung eindeutig kennzeichnen. Einige Surrealisten malten überaus realistisch, wählten dabei aber völlig surrealistische Motive. Dadurch entstanden spannende und eindrucksvolle Bildwirkungen.

Andere Surrealisten wiederum spielten mit surrealistischen Formen und Farben oder entwickelten einen verträumten Stil. Diese Bilder wirken wieder ganz anders.

Insgesamt sind surrealistische Arbeiten oft weniger an der Art der Darstellung oder der Umsetzung zu erkennen, sondern eher am Motiv. Das Fantastische und das Absurde ist das, was den Surrealismus als Kunstrichtung charakterisiert.

Wie ist der Surrealismus entstanden?

Der Surrealismus entwickelte sich recht langsam aus anderen Kunstrichtungen heraus und kam dabei in erster Linie als Reaktion auf die Ereignisse im frühen 20. Jahrhundert auf. Die Geschichte des Surrealismus lässt sich in mehrere Etappen gliedern.

Der Dadaismus als Vorläufer

Heute gilt der Dadaismus als Vorreiter des Surrealismus. Auch der Dadaismus verstand sich als eine Denkrichtung, eine Haltung und ein Kunststil, der auf revolutionäre Art mit den bürgerlichen Traditionen brechen wollte.

Dazu bediente sich der Dadaismus, den seine Anhänger meist nur kurz Dada nannten, hauptsächlich der Satire.

Unter dem Deckmantel des Dada entstanden allmählich die ersten Ansätze des Surrealismus. Inspiriert von den Ideen aus der Psychoanalyse, griffen einige Dadaisten zunehmend auf die Möglichkeit zurück, sich mit Motiven aus dem Traum und dem Rausch auszudrücken.

Als einer der Wegbereiter gilt Giorgio de Chirico. Der Maler wird zwar noch nicht dem Surrealismus zugeordnet. Aber in seinen Werken brachte er zum Ausdruck, was er sah, wenn er seine Augen schloss.

Auch der Ausbruch des Ersten Weltkrieges beeinflusste die frühen surrealistischen Künstler stark. Das Schrecken, die Angst, die erlittenen Traumata und die brutale Realität des Krieges veranlassten viele Künstler dazu, sich mit dem zu beschäftigen, was nicht unmittelbar zu sehen war.

Die Surrealisten-Gruppe

Bis zu Beginn der 1920er-Jahre übte das Surrealistische eine immer größere Faszination auf die Künstler und Schriftsteller des Dadaismus aus. Als eigenständige Kunstrichtung wurde der Surrealismus zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wahrgenommen.

Das wiederum führte dazu, dass die Spannungen innerhalb der dadaistischen Bewegungen zunehmend größer wurden.

Zwischen dem Künstler Tristan Tzara, der als Anführer der Dadaisten galt, und seinem guten Freund Andre Breton kam es immer häufiger zum Streit. Die Streitigkeiten gipfelten in einer handfesten Auseinandersetzung bei der Aufführung eines dadaistischen Theaterstücks von Tzara.

Das Ergebnis war der Bruch zwischen Tzara und Breton und zugleich auch zwischen dem Dadaismus und dem Surrealismus.

Ab ungefähr 1922 etablierte sich der Surrealismus als eigene Kunstrichtung und Breton kristallisierte sich zunehmend als ihr Anführer heraus. Er versammelte Künstler verschiedener Mediengattungen um sich. So entstand die Surrealisten-Gruppe.

Die Künstler arbeiteten sehr intensiv miteinander und stachelten sich gegenseitig immer wieder zu neuen Experimenten ihrer eigenen Wahrnehmung an. Dabei sollen auch Drogen die Inspiration beflügelt haben.

Jedenfalls entstanden viele Hauptwerke des Surrealismus innerhalb nur weniger Jahre.

Das Zerbrechen der Surrealisten-Gruppe

Schon 1928 brach die Surrealisten-Gruppe um Breton auseinander. Vor allem unterschiedliche politische Auffassungen unter den Künstlern waren der Grund. Spätestens der Zweite Weltkrieg und die Ansichten, wie mit diesem Krieg umzugehen sei, führten zum endgültigen Bruch.

In den 1940er-Jahren versuchten zwar einige französische Künstler die Bewegung noch einmal aufleben zu lassen. Wirklich erfolgreich war ihr Versuch aber nicht.

Der Post-Breton-Surrealismus

Obwohl die Surrealisten-Gruppe auseinandergebrochen war, befassten sich viele Künstler weiterhin mit der Kunstrichtung.

Der Surrealismus blieb damit erhalten. Allerdings wurde er ab 1929 hauptsächlich als Kunstrichtung wahrgenommen und nicht mehr als gesamtgesellschaftliche Bewegung.

Auch heute noch ist der Surrealismus lebendig. Inzwischen wird der Begriff aber recht weitläufig für alle Kunstformen verwendet, die realistische Elemente mit fantastischen Elementen oder Elementen aus der Traumwelt miteinander verknüpfen.

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Hier schreiben die beiden Künstler und Maler RZA & Feryal (Christian Gülcan & Ferya Gülcan). Beide Baujahr 1974, mit teilweise unterschiedlichen Einstieg (Grafitti, Zeichnen & Design) in die Acrylmalerei. Wir sind Markeninhaber der Kunstschmiede kooZal und malen hauptsächlich moderne und abstrakte Acrylbilder im Großformat, malen aber auch mit Ölfarben, lieben Druck- & Schablonentechniken und zeichnen viel. Unser eigenes Studio bzw. Atelier befindet sich in Bremen.

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