Malgründe für die experimentelle Acrylmalerei

Malgründe für die experimentelle Acrylmalerei

Malgründe für die experimentelle Acrylmalerei

 

Acrylfarben trocknen sehr schnell und lassen sich in den verschiedensten Konsistenzen und Techniken vermalen. Außerdem haftet der Acrylfarbfilm gut und sicher auf praktisch jedem festen, fettfreien Untergrund, ohne dass eine Grundierung oder eine anderweitige Vorbehandlung notwendig ist.

Vor allem für die experimentelle Malerei sind Acrylfarben deshalb hervorragend geeignet. Die verschiedenen Malgründe mit ihren unterschiedlichen Strukturen wiederum können gezielt in die Bildwirkung einbezogen und für besondere Effekte genutzt werden. 

 

Die folgende Übersicht stellt geeignete Malgründe für die experimentelle Acrylmalerei vor:

 

Rohe Baumwoll- und Leinenstoffe

Unbehandelte Stoffe reagieren unterschiedlich auf den Farbauftrag. Mal verbinden sie sich mit den Farben, mal saugen sie die Farben auf und mal stoßen sie die Farben ab, wodurch sich kleine Farbtröpfchen auf der Oberfläche bilden. Die jeweilige Oberflächenstruktur eines Stoffes kann ebenfalls ein prägendes Merkmal des fertigen Bildes sein. Deshalb sind unbehandelte Stoffe prima Malgründe für die experimentelle Acrylmalerei.

Als Stoffe eigenen sich Baumwolle und Leinen besonders gut:

·         Rohes Baumwollgewebe zeichnet sich durch seine ungleichmäßige Oberfläche aus. Ist das Gewebe etwas feiner, wird es Nessel genannt. Die natürliche Farbe entspricht einem hellen Beige. Dadurch eignet sich unbehandelter Baumwollstoff sehr gut für Landschaftsbilder und abstrakte Gemälde in Natur- und Erdfarben. Wird der rohe Baumwollstoff gewaschen, wird er etwas heller. Dadurch ist dann ein Malgrund vorhanden, der für Acrylbilder aller Art und Genre genutzt werden kann.

·         Unbehandelter Leinenstoff weist eine markante Oberfläche auf. Durch die recht dunkle, aber warme Farbe bietet sich Leinen für Bilder mit natürlichen Motiven und Naturfarben an. Die Färbung hat eine ähnliche Wirkung wie eine farbige Grundierung und dämpft die Leuchtkraft der Acrylfarben einheitlich ein. Möchte der Künstler hier entgegensteuern, kann er helle Bildstellen besonders hell und überdeutlich anlegen. Alternativ kann er mehrere Farbschichten übereinander auftragen, um so die Deck- und Leuchtkraft zu steigern. 

Um den Stoff zu bemalen, kann ihn der Künstler einfach flach auf dem Boden ausbreiten. Viele Künstler, die experimentell malen, arbeiten so. Möglichst ist aber natürlich auch, den Stoff auf eine Holzplatte oder einen Keilrahmen aufzuziehen.

Roher, unbehandelter Stoff muss vor dem Bemalen nicht gewaschen werden. Wird er gewaschen, hat dies zum einen zur Folge, dass die Stoffoberfläche glatter wird und das Gewebe die Farbe stärker aufnimmt. Zum anderen entstehen beim Waschen und Trocknen Falten und Knicke. Diese können zum Element in der Bildgestaltung werden. Möchte der Künstler dies nicht, muss er den Stoff nach dem Waschen bügeln.

Neben rohen Stoffen können mit Acrylfarben auch behandelte, farbige und gemusterte Stoffe bemalt werden. Ausgemusterte Bettwäsche, alte Tischdecken, Vorhänge oder Kleidungsstücke beispielsweise können gerade durch ihre Farben und Muster zu perfekten Malgründen für die experimentelle Malerei werden.

 

Holz

Holz ist ebenfalls ein sehr gut geeigneter Malgrund für experimentelle Acrylbilder. Eine Grundierung ist nicht erforderlich, allerdings sollten lose Holzfasern, Staub und Fett vor dem Bemalen entfernt werden. Beim experimentellen Malen auf Holz kann der Künstler vor allem die Holzmaserung als gestalterisches Element einbeziehen:

·         Trägt er die Acrylfarben quer zur Holzmaserung auf und führt er seinen Pinsel dabei möglichst flach, legt sich die Farbe nur auf die Höhen. Die kleinen Vertiefungen innerhalb der Maserung bleiben unbemalt.

·         Andersherum kann er die Verläufe und Linien der Maserung gezielt aufgreifen, um damit abstrakte Formen oder Fantasiefiguren anzulegen.

Die reliefartige Struktur der Maserung kann der Künstler übrigens betonen, indem er die Holzplatte vor dem Bemalen kräftig mit Stahlwolle abreibt. Eine Alternative zu Holzplatten und Holzbrettern können auch Bögen aus Holzfurnier sein. Holzfurnier lässt sich genauso bemalen wie Papier oder Malkarton, nur dass es zusätzlich die typischen Holzmaserungen aufweist.

 

Pappkarton

Pappkarton, wie er für handelsübliche Verpackungen verwendet wird, bietet gleich zwei verschiedene Malgründe auf einmal. So weist er zum einen eine fast glatte Oberfläche auf. Zum anderen enthält er im Inneren eine gerippte oder gewellte Struktur. Das Innenleben kommt zum Vorschein, wenn der Künstler die oberste Kartonschicht ablöst. Mischt der Künstler beide Oberflächen miteinander, erhält er einen Malgrund mit einer überaus interessanten und lebhaften Struktur.

Pappkarton hat meist eine braune bis braun-graue Farbe. Dies muss der Künstler bei seinen Farbaufträgen berücksichtigen. Andernfalls kann es passieren, dass die Farbwirkung zu stark gedämpft und eingetrübt wird. Soll das Acrylbild sehr hell werden und farbintensiv leuchten, ist es ratsam, den Karton mit weißer Acrylfarbe zu grundieren.

 

Alu-Verbundplatten und Plexiglasplatten

Alu-Verbundplatten, auch Alu-Dibond genannt, kennzeichnen sich durch ihre Oberfläche, die metalltypisch reflektiert. Damit die Acrylfarben gut haften, sollte die Oberfläche jedoch leicht angeraut werden. Plexiglasplatten wiederum bieten den großen Pluspunkt, dass sie transparent sind. Dadurch kann das fertige Acrylbild später von hinten beleuchtet werden, was es buchstäblich in einem völlig anderen, neuen Licht erscheinen lässt.

Mehr Tipps, Anleitungen und Vorlagen:

Thema: Malgründe für die experimentelle Acrylmalerei

Kommentar verfassen