Acrylfarben und andere Farben selber machen – eine Übersicht

Acrylfarben und andere Farben selber machen – eine Übersicht

Acrylfarben und andere Farben selber machen – eine Übersicht 

Natürlich kann der Maler die Farben für seine Bilder fertig kaufen. Doch wenn er Lust auf Experimente hat, kann er seine Farben auch selbst herstellen.

Obwohl Acrylfarben verglichen mit anderen Künstlerfarben noch recht jung sind, gehören sie heute zu den beliebtesten Farben überhaupt. Und die Vorteile liegen auf der Hand: Acrylfarben sind unkompliziert in der Handhabung, lassen sich auf fast alle Malgründe auftragen und können mit verschiedenen anderen Farben und Materialien kombiniert werden. Sie riechen nicht, lassen sich untereinander mischen und trocknen sehr schnell. Zudem lassen sich mit Acrylfarben die unterschiedlichsten Maltechniken umsetzen.

Im Hobby- und Künstlerbedarf sind Acrylfarben in unzähligen Farbtönen und unterschiedlichen Qualitäten erhältlich. Eine Notwendigkeit, seine Farben selbst herzustellen, gibt es also eigentlich nicht. Zumal selbstgemachte Farben nur selten eine so feine Qualität und so optimierte Eigenschaften haben werden wie gekaufte Farben. Aber für das Selbermachen spricht der enorm hohe Spaßfaktor.

Zudem ist der Maler näher an der Malerei, wie sie ursprünglich war. Schließlich haben sich die alten Meister ihre Farben auch nicht gekauft, sondern ihre eigenen Farbtöne kreiert. Hinzu kommt, dass der Maler seinen Bildern einen experimentellen Charakter verleihen und sie durch die individuellen Farben noch einzigartiger machen kann.

Für diejenigen, die sich auch einmal in der Farbeherstellung ausprobieren möchten, haben wir deshalb in einer kleinen Übersicht ein paar Rezepte für Acrylfarben und andere Farben zusammengestellt.

 

Acrylfarben selber machen

Für eigene Acrylfarben werden nur drei Zutaten benötigt, nämlich

  • ·         Farbpigmente,
  • ·         Acrylbinder und
  • ·         Wasser.

Das Anrühren der Farben gliedert sich in zwei Arbeitsschritte. Zuerst wird ein Farbbrei angesetzt. Dazu wird etwas Wasser in einen Behälter gegeben. Dann werden die Farbpigmente hineingeschüttet und so lange verrührt, bis ein homogener Brei ohne Klümpchen entstanden ist. Je feiner die Farbpigmente sind, desto größer ist aber Gefahr, dass versehentlich Farbstaub eingeatmet wird.

Ratsam ist deshalb, eine Atemmaske zu tragen oder draußen zu arbeiten und die Pigmente nur sehr langsam ins Wasser zu schütten. Wie viel Wasser benötigt wird, hängt von den Pigmenten ab. Als grobe Richtlinie gilt, dass auf einen Teil Wasser zwei Teile Farbpigmente verwendet werden. Der Maler sollte aber besser mit weniger Wasser beginnen und bei Bedarf weiteres Wasser hinzufügen. Wollen sich die Farbpigmente partout nicht mit dem Wasser verbinden, helfen ein paar Tropfen Spiritus.

Ist der Farbteig fertig angerührt, sollte er 24 Stunden lang quellen. Anschließend wird der Farbbrei sorgfältig mit Acrylbinder vermischt. Hier gilt als Grundrezept: zwei Teile Farbbrei auf einen Teil Acrylbinder. Enthält die Farbe zu wenig Acrylbinder, trocknet die Farbe nicht wasserfest auf. Umgekehrt macht es aber nichts, wenn die Farbe zu viel Bindemittel enthält. Deshalb kann der Maler ruhig großzügiger mit dem Acrylbinder umgehen. Sind die Komponenten miteinander vermischt, ist die selbstgemachte Acrylfarbe auch schon fertig und kann in fest verschließbare Behälter umgefüllt oder natürlich direkt vermalt werden. 

 

Kaseinfarben selber machen

Kaseinfarben kennzeichnen sich durch ihre intensive Leuchtkraft und ihre gute Deckkraft. Benötigt werden folgende Zutaten:

  • ·         250 Gramm Quark (je mehr Fett der Quark enthält, desto stärker glänzt die Farbe)
  • ·         1 Teelöffel Hirschhornsalz
  • ·         Farbpigmente
  • ·         Wasser

Für die Farbe wird wenig warmes Wasser in ein Gefäß gegeben. Dort hinein wird das Hirschhornsalz geschüttet und unter Rühren aufgelöst. Das Hirschhornsalz ist notwendig, um das Kasein im Quark aufzuschließen. Aber Vorsicht: Das Hirschhornsalz schäumt sehr stark. Deshalb sollte das Gefäß recht groß und hoch sein. Das aufgelöste Hirschhornsalz wird anschließend in den Quark eingerührt. Nun muss das Ganze eine gute halbe Stunde lang ruhen, bis der Quark gelblich und glasig wirkt.

In der Zwischenzeit werden die Farbpigmente mit wenig Wasser angerührt. Im Prinzip könnten die Pigmente auch trocken in den Quark gegeben werden. Werden sie vorher mit Wasser vermischt, lösen sie sich aber schneller und gleichmäßiger in der Farbe. Ist der Quark fertig, wird er noch einmal gut durchgerührt. Anschließend wird der Farbbrei in den Quark gegeben und sorgfältig eingerührt, bis eine gleichmäßige Farbmasse entstanden ist. Möchte der Maler seine Farbe dünnflüssiger haben, kann er sie mit Wasser verdünnen.

Kaseinfarbe hält sich nicht sehr lange. Deshalb sollte der Maler lieber kleinere Mengen herstellen und die Farben zügig verarbeiten. Wenn der Maler die Kaseinfarbe in recht vielen sehr dicken Schichten auf Leinwand aufträgt, kann es passieren, dass die Farbschichten etwas bröckeln. Dem kann der Maler entgegenwirken, indem er ein paar Tropfen Leinöl in die Farbe einrührt.

 

Ei-Temperafarben selber machen

Ei-Temperafarben wurden schon im Mittelalter verwendet. Und damals wie heute lassen sich die Farben aus wenigen Zutaten sehr einfach herstellen. Benötigt werden:

  • ·         ein Ei
  • ·         Leinöl
  • ·         Wasser
  • ·         Farbpigmente
  • ·         ein Schraubglas

Zuerst wird das Ei in das Schraubglas gegeben. Dann kommt die gleiche Menge an Öl dazu. Das Mischungsverhältnis ist also ein Teil Ei und ein Teil Öl. Nun wird das Schraubglas verschlossen und solange kräftig geschüttelt, bis sich das Ei und das Öl vollständig miteinander verbunden haben. Anschließend wird Wasser hinzugefügt, und zwar wieder ein Teil. Arbeitet der Maler mit einem durchsichtigen Glas, muss er die Menge aber nicht großartig abmessen, denn der schüttet einfach soviel Wasser in das Glas, dass die Wassermenge ungefähr der halben Ei-Öl-Menge entspricht. Dann wird das Ganze noch einmal kräftig durchgeschüttelt. In die fertige Emulsion müssen jetzt nur noch die Farbpigmente eingearbeitet werden. Das klappt mit dem Spatel oder einem breiten Malmesser sehr gut.

Ei-Temperafarbe leuchtet intensiv und ist gut lichtbeständig. Soll die Farbe dünnflüssiger werden, kann etwas mehr Wasser hinzugefügt werden. Zähflüssiger wird die Farbe durch die Zugabe von mehr Farbpigmenten. Ähnlich wie Kaseinfarbe verdirbt aber auch Ei-Temperafarbe recht schnell. Deshalb sollten auch hier nur kleine Mengen angemischt und die Farben zeitnah verarbeitet werden.

Mehr Anleitungen, Tipps und Ratgeber:

Thema: Acrylfarben und andere Farben selber machen – eine Übersicht

Kommentar verfassen